Welt : Berliner retten Frau aus Trümmern

Suzan Gülfirat

Der Arbeiter-Samariter-Bund hilft türkischen Bebenopfern. Spendenkonten wurden eingerichtetSuzan Gülfirat

Sie wurden auch nach dem großen Erdbeben am 17. August in Gölyaka als Helden gefeiert, weil sie mehrere Menschen aus den Trümmern befreit hatten. Und nun haben die Helfer der 1. Rettungshundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) aus Berlin erneut einer Frau das Leben gerettet. 40 Stunden lang lag die 48-Jährige bei eisigen Temperaturen unter den Trümmern ihres Hauses, bevor sie befreit werden konnte. Sie habe zu den Helfern gerufen, sie liege im Vorraum zu ihrer einstigen Küche, weil sie gerade den Tee in die Stube bringen wollte, als die Erde anfing zu beben, erzählte sie später.

Das jüngste große Erdbeben in der Türkei hat nach letzten Angaben mehr als 370 Todesopfer gefordert.

Die Berliner Gruppe des Arbeiter-Samariter-Bundes, die aus neun Männern und Frauen mit ihren Hunden sowie zwei Betreuern besteht, waren am Vormittag von Tegel über Frankfurt am Main nach Ankara geflogen, wie der ASB mitteilte. Von dort aus fuhren sie erst in die Stadt Düzce. Dort sahen sie jedoch, dass die Stadt gut mit Hilfskräften versorgt war und zogen deshalb Gegen Mitternacht weiter zu der etwa 10 000 Einwohner zählenden Stadt Kaynarca. Sofort begannen sie mit der Suche. Nach wenigen Stunden konnten sie schließlich das ers-te Opfer lebend bergen. Das Hauptproblem der Retter ist die Kälte. Vor Ort herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt, teilte Detlef Kühn, der Einsatzleiter der Berliner-Hilfstruppe mit.

Die überwiegend ehrenamtlich arbeitenden Samariter kennen die Gegend bereits. Denn fast alle Frauen und Männer waren auch bei der Hilfsaktion im August in Gölyaka dabei. Noch immer befindet sich dort eine andere Delegation, weil die Stadt Notunterkünfte aus dem Spendenprojekt "Berlin hilft Gölyaka" bekommen hatte. Zahlreiche Organisationen hatten dafür Geldspenden gesammelt. Die Holzhäuser haben alle das Erdbeben unbeschadet überstanden, aber in der Stadt ist ein Toter zu bedauern, teilte der ASB mit. 30 Menschen wurden verletzt.

Der erst vor einer Woche aus dem gleichen Hilfsprojekt finanzierte Rettungswagen sei in Düzce pausenlos im Einsatz. In der Gegend gebe es inzwischen genug Rettungskräfte, erklärte gestern der ASB in Berlin.

Der ASB bittet nun, weiter auf die Sonderkonten zu spenden, die für die Hilfsaktion "Berlin hilft Gölyaka" eingerichtet wurden (die Kontonummern der Hilfsorganisationen finden sich in dem grauen Kasten am Ende des Beitrags).

Für andere Opfer kam dagegen jede Hilfe zu spät: "Ich habe am Sonnabend vier Verwandte beerdigt", sagte ein türkischer Arbeiter, der aus Deutschland angereist war, um nach seiner Familie zu suchen. "Ich fürchte, heute wird es der Fünfte", fügte er hinzu, als Rettungsteams einen leblosen Körper aus den Trümmern zogen. In der schwer getroffenen Ortschaft Kaynasli trauerten die Menschen am Rand von 60 neuen Gräbern.

Dicke Rauchschwaden hingen über der Gegend, weil die Menschen Autoreifen und zerstörte Möbel anzündeten, um sich warm zu halten.

Zwar ist - im Vergleich zum verheerenden Beben im August - dieses Mal unmittelbar nach der Katastrophe Hilfe ins Erdbebengebiet geschickt worden. Dennoch fehlt es noch an Decken, Zelten, Öfen, Medikamenten, Wasser und Lebensmitteln. Bisher ist nur ein Teil der Obdachlosen in Notunterkünften untergebracht worden. Mit den sinkenden Temperaturen und dem erwarteten Regen wird sich die Lage der Menschen in den kommenden Tagen weiter verschlechtern. Die türkischen Medien würdigten unterdessen die schnelle Reaktion der Behörden. Die Zeitung "Sabah" schrieb, "Am 17. August war der Staat wie gelähmt, dieses Mal hat er die Lage innerhalb von Stunden in den Griff bekommen?" Arbeiter-Samariter-Bund, Postbank Berlin, Kontonummer 637 777 106, Bankleitzahl (BLZ) 100 100 10. Deutsches Rotes Kreuz, Kontonummer 41 41 41 bei allen Banken und Sparkassen. Malteser Hilfsdienst, Kontonummer 120 120 120, Deutsche Bank 24, BLZ 370 700 24. Johanniter Unfall-Hilfe, Kontonummer 43 43 43 43 Bank für Sozialwirtschaft Köln, BLZ 370 205 00.

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