Berlusconi : "Drei Stunden Sex"

Wenn es um Frauen und seine Manneskraft geht, ist Silvio Berlusconi um keinen Spruch verlegen.

Andrea Dernbach

Selbst diesmal musste er die Urteilsfähigkeit einer Frau bezweifeln – in diesem Fall seiner eigenen: „Die Signora hat sich von den linken Zeitungen täuschen lassen“, kommentierte Berlusconi die Nachricht von Veronica Larios öffentlichem Ausbruch. Die Signora ihrerseits hat nur noch wenig Lust, sich stattdessen vom Noch- Gatten die Welt erklären zu lassen. Glaubt man Italiens Zeitungen, dann ließ sie ihn über seine Sekretärin bitten, von Versöhnungsbesuchen Abstand zu nehmen: „Ich habe nichts mehr zu sagen oder anzuhören. Worte ändern nichts mehr.“

Mit Worten hatte Berlusconi den Bruch mit seiner Frau ein letztes Mal 2007 kitten können. Für seine öffentliche Liebeserklärung an die junge Mara Carfagna – „Wäre ich nicht verheiratet, würde ich dich sofort heiraten“ – hatte er sich auf Larios Ultimatum hin öffentlich entschuldigt: „Deine Würde ist meinem Herzen ein wertvolles Gut, auch wenn mein Mund leichtsinnige Sprüche macht.“

Die Welt kennt inzwischen viele dieser leichtsinnigen Sprüche und allein die, die ein altfränkisches Frauen- und Selbstbild offenbaren, sind Legion: „Nach drei Stunden Schlaf habe ich genug Energie für drei Stunden Sex“, tönte der 72-Jährige letztes Jahr. Die öffentliche Debatte um Vergewaltigungen bereicherte er mit der Aussage, man könne das Problem nicht mit mehr Patrouillen auf der Straße lösen, schließlich gebe es „zu viele schöne Frauen in Italien“, um sie alle von Soldaten bewachen zu lassen. Und nicht nur die Finnen waren sauer, als er sich rühmte, um Finnlands Präsidentin Tarja Halonen die EU-Lebensmittelbehörde abzuschwatzen, „musste ich alle meine Playboyfähigkeiten einsetzen“.

Frauen mit echter Macht machen den Frauenkenner schnell uncharmant. Das Kabinett des spanischen Kollegen Zapatero mit neun Ministerinnen sei ihm „zu rosa“, mäkelte Berlusconi letztes Jahr. „Da wird er Schwierigkeiten haben zu regieren.“ Schließlich sind Frauen vor allem dazu da, „die Moral des Chefs zu heben“ – so dekretiert im, abgehörten, Telefonat mit einem Fernsehgewaltigen.

„Berlusconi hasst Frauen“, sagt Paolo Guzzanti, der ihm lange nahestand. Dass er den Jungen und Schönen unter ihnen die vorderen Sitzreihen jedes Parteikonvents reserviert und die Wahllisten mit ihnen füllt, hält die Journalistin Ida Dominijanni für eine perfide Strategie: Die Freiheit, die sich die Frauen in Jahrzehnten erobert hätten, reduziere er auf „die Freiheit, sich im Fernsehen zur Schau zu stellen und sich der Macht als Gratiszugabe anzubieten.“

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