Beruf Juwelendiebin : Doris Payne hat wieder zugeschlagen

Doris Marie Payne gilt als berüchtigtster Langfinger der Welt. Mit 85 Jahren wurde sie in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia nun wieder erwischt.

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Doris Payne auf einem undatierten Polizeifoto.
Doris Payne auf einem undatierten Polizeifoto.Foto: dpa

„Saks Fifth Avenue“ an der Phipps Plaza in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) ist ein charakteristischer weißer Flachbau. Wer hier einkauft, ist „posh“. Man kommt für Taschen von Gucci, Uhren von Giorgio Armani, Mäntel von Prada oder eine Sonnenbrille von Dolce & Gabbana. Am vergangenen Donnerstag betrat eine elegante weißhaarige Frau das Luxuskaufhaus, mit tiefen Falten im schmalen braunen Gesicht. Sie schlenderte zur Dior-Boutique, sah sich die Juwelenauslage an und wandte sich dann zügig wieder dem Ausgang zu. Wie jetzt im Polizeireport steht, fanden sich später Ohrringe im Wert von 690 Dollar in ihrer Tasche.

Doris Marie Payne, die berühmteste Juwelendiebin der Welt, kann von ihrer Profession auch mit 85 Jahren nicht lassen.

Seit 60 Jahren bestiehlt die Diebin aus Passion Juweliere. Cartier, Tiffany’s oder Van Cleef & Arpels, in den Vereinigten Staaten, in Monte Carlo, in Paris oder in Tokio. Ihr Leben war ein Versteckspiel vor dem FBI und vor Interpol. Mehrfach saß Payne im Gefängnis. Unter mehr als 20 Namen hat sie operiert, sie hat fünf Sozialversicherungsnummern; amerikanische Medien berichten von neun unterschiedlichen Geburtsdaten.

Paynes Leben ist verfilmt, „The Life and Crimes of Doris Payne“. Der romantisierende Film zeigt, wie es „eine arme, alleinerziehende afroamerikanische Mutter aus dem durch Rassentrennung geprägten Amerika der 50er Jahre geschafft hat, eine der notorischsten Juwelendiebinnen der Welt zu werden“. Im Film sagt Payne: „Ich bereue nichts daran, Diamanten gestohlen zu haben. Ich bereue, erwischt worden zu sein.“ Dabei heißt es von den Fahndern, dass Payne bei ihren Diebstählen deutlich häufiger davongekommen als erwischt worden sei. Als ihren offiziellen Beruf gibt Payne mitunter „Juwelendieb“ an.

Am Donnerstag hatte ein Sicherheitsmann des Designerladens Payne auf der Videoüberwachung beim Stehlen beobachtet. Er alarmierte die Polizei und noch in der umliegenden Mall des luxuriösen Einkaufsgebiets wurde sie festgenommen. Dabei hatte Payne schon vor zehn Jahren diesem Lebenswandel abgeschworen. Seine Mandantin habe gesundheitliche Probleme, brachte Paynes Anwalt Shawn McCullers gegen eine längere Festsetzung vor. Am Dienstag wurde Payne gegen eine Kaution von 2500 Dollar entlassen. Wie es mit ihr weitergeht, ist unklar. Im Bundesstaat North Carolina liegt ein Haftbefehl gegen die schillernde Juwelendiebin vor. Dort soll sie im Juli einen Diamantring im Wert von 33 000 Dollar gestohlen haben.

Erst im vergangenen Jahr hatte Payne sich schuldig bekannt, 2013 in Palm Desert (Kalifornien) einen Diamantring im Wert von 22 500 Dollar gestohlen zu haben. Ein Teil der zweieinhalbjährigen Gefängnisstrafe, durch eine Untersuchungshaft schon reduziert, wurde angesichts ihres Alters zur Bewährung ausgesetzt. Richter William Lebov hatte es Payne jedoch zur Auflage gemacht, sich von Juwelieren fernzuhalten.

Payne wurde im Bundesstaat West Virginia als Tochter eines Kohlebergmanns geboren. Alles habe damit angefangen, hat sie vor Jahren der „Daily Mail“ erzählt, dass ihre Mutter ihr eine Uhr versprochen habe, wenn sie mit A-Noten aus der Schule käme. Die damals 13-Jährige ging also in den örtlichen Laden, um sich Uhren anzusehen. Der Verkäufer erlaubte ihr, eine Uhr auch anzuprobieren. Minuten später sei aber ein weißer Mann hereingekommen, dem der Verkäufer sich gleich widmete. Zurück sei eine verärgerte Doris Payne mit einer Uhr am Handgelenk geblieben. Nur weil sie wegen der Uhr selbst laut zu ihm gerufen habe, habe der Verkäufer überhaupt daran gedacht, ihr die Uhr wieder wegzunehmen.

Als Lehre nahm Payne, der Teenager, daraus mit, dass es ihr gelingen konnte, „einen weißen Mann mich vergessen zu lassen“. Mit 22 Jahren wendete sie ihre Erkenntnis erstmals an einem 22.000 Dollar teuren Diamantring in Philadelphia an.

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