Welt : Beruf Prostituierte: Die Legalisierung eines Gewerbes

Thomas Roser

Zumindest die Selbsthilfegruppe "Der Rote Draht" ist von der Legalisierung ihres Gewerbes begeistert. Als "großen Fortschritt" wertet Dick Lavina, der Sprecher der Prostituierten-Vereinigung, die Abschaffung des niederländischen Bordell-Verbots zum 1.Oktober. In Sex-Clubs angestellte Prostituierte hätten künftig ein "legales" Einkommen: "Prostituierte können nun Konten eröffnen, Autos oder Häuser kaufen - ohne die Herkunft der Gelder erklären zu müssen."

Prostitution ist in den Niederlanden zwar gestattet, Rotlichtclubs sind aber bereits seit 1912 offiziell verboten. Obwohl das Königreich mehr als 1000 Sex-Clubs zählt, wurden diese bisher lediglich geduldet. Mit der Abschaffung des Bordellverbots hofft Den Haag, die Prostitution aus der Illegalität zu holen. Als "normale" Unternehmen müssen Sex-Betriebe sich künftig an strenge Sicherheits- und Gesundheitsauflagen halten, begründet die Regierung deren Legalisierung. Die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten würden dadurch verbessert, der Polizei der Kampf gegen den Frauenhandel erleichtert.

Nicht nur die Beschäftigung illegaler Immigranten wird den Sexclub-Betreibern erschwert. Künftig müssen sie die Arbeitsräume mit Feuerlöschern und ausreichenden Sanitäreinrichtungen ausstatten, zudem Sozialabgaben entrichten. 80 Prozent der Clubs dürften keine Schwierigkeiten haben, die Auflagen für eine Betriebslizenz zu erfüllen, erwartet der Verband der Sexclub-Betreiber (VER): Die meisten Betriebe hätten sich gründlich auf die neue Rechtslage vorbereitet.

Doch während sich "legale" Prostituierte von der Regulierung des Sektors endlich eine Erhöhung ihrer Tarife erhoffen, droht illegal eingewanderten und drogenabhängigen Prostituierten die Abdrängung in die Illegalität.

Calvinisten gegen Sex-Clubs

Freude über die bevorstehende Legalisierung der Sex-Unternehmen will auch bei manchen Kommunen kaum aufkommen. Vor allem streng calvinistische Gemeinden pflegten bisher mit dem Verweis auf das Bordellverbot die Ansiedlung vermeintlicher Sündenpfuhle resolut zu unterbinden. Mit juristischen Tricks mühen sich findige Stadträte nun, die Ansiedlung unerbetener Sexclub-Investoren zu vermeiden.

Meist wird die zulässige Maximalzahl von Bordellen auf nur einen Betrieb festgelegt. Beliebte Abschreckungsmittel sind zudem frühe Schlusszeiten und die Ausweisung unzugänglicher Grundstücke in Industriegebieten. Der Stadtrat von Bunschoten beschloss, dass ein Sexclubs mindestens 500 Meter von Schulen, Jugendzentren oder der Kirche entfernt sein muss. Auf dem freien Feld erhalten Antragsteller jedoch keine Baugenehmigung.

Roter-Draht-Sprecher Lavina hält diese Maßnahmen aber ohnehin für überflüssig: "Kein Unternehmer wäre so verrückt, einen Club in Bunschoten zu eröffnen. Es gibt dort keine Kunden - und wahrscheinlich würde man auch noch gelyncht."

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