Berufsgruppen-Studie : Eine Frage des Vertrauens

Feuerwehrleute, Ärzte und Pfleger stehen laut der Gesellschaft für Konsumforschung weit oben in der Gunst der Deutschen - Politikern wird misstraut.

Julia Beil
Früh übt sich: Auch viele junge Menschen reizt der Beruf des Feuerwehrmanns.
Früh übt sich: Auch viele junge Menschen reizt der Beruf des Feuerwehrmanns.Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Es ist der Traum einer Menge kleiner Jungen: "Wenn ich groß bin, dann möchte ich einmal Feuerwehrmann werden". Ein Großteil der potenziellen Helfer und Lebensretter ändert zwar im Laufe der Zeit die Karriereplanung wieder. Doch dem Beruf des Feuerwehrmannes wohnt wohl eine ganz eigene Faszination inne. Stark, furchtlos und aufopfernd riskiert er regelmäßig das eigene Leben, um dafür ein anderes zu retten. Das scheint den Deutschen im allgemeinen großen Respekt abzuverlangen. Nur so ist es zu erklären, dass in einer Studie zum Vertrauen der Bürger in die verschiedenen Berufsfelder 96 Prozent den Feuerwehrleuten ihr "volles Vertrauen" aussprachen. Damit sind sie offiziell die Gruppe, die hierzulande den größten Zuspruch genießt.

Helferberufe schneiden gut ab

Auch andere Helferberufe schneiden in der Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die am Donnerstag veröffentlicht wurde, gut ab. Krankenpfleger und -schwestern folgen den Feuerwehrleuten dicht mit 95 Prozent, gleich danach Apotheker und Ärzte mit 90 und 89 Prozent. Schon in der gleichen Studie aus dem Jahr 2014 erzielten diese Berufsgruppen die besten Vertrauenswerte.

Misstrauen gegenüber Politikern

Interessant ist auch, welchen Gruppen die Deutschen mit dem größten Misstrauen entgegentreten. Für wenig vertrauenswürdig halten die meisten von ihnen offenbar Politiker. Nur 14 Prozent der 2000 Befragten behaupten von sich, ihren Volksvertretern "voll und ganz" zu vertrauen. Ebenfalls für viele nicht besonders vertrauenswürdig: Versicherungsvertreter – an deren Ehrlichkeit zweifeln 22 Prozent der Befragten. 27 Prozent sind Werbefachleuten gegenüber skeptisch. Womöglich fürchtet der Verbraucher, von Versicherungskaufleuten wie Werbern "ausgetrickst" und zum Kauf bestimmter Produkte verleitet zu werden.

Journalisten bleiben "konstant unbeliebt"

Auch der Berufsstand der Journalisten steht in der Gunst der Deutschen nicht sehr weit oben: Nur 36 Prozent haben Vertrauen in die Medienmacher im Land. Die Vermutung liegt nahe, dass das auch mit den in jüngster Zeit immer lauter werdenden "Lügenpresse"-Vorwürfen zusammenhängen könnte. Von einer rapiden Verschlechterung der Werte im Vergleich zu 2014 kann aber nicht die Rede sein, eher sind die Journalisten "konstant unbeliebt" – sie büßten in der Umfrage nur einen Prozentpunkt ein.

Trotz VW-Skandal: Ingenieuren wird vertraut

Grund zur Freude gibt es hingegen für die Ingenieure und Techniker in Deutschland. Sie verbuchen den größten Vertrauenszuwachs. Sprachen ihnen 2014 nur 80 Prozent der Befragten ihr volles Vertrauen aus, haben sie in diesem Jahr 86 Prozent der Deutschen auf ihrer Seite. Das scheint zunächst verwunderlich, denkt man an die VW-Abgasaffäre im September des vergangenen Jahres. Für Raimund Wildner, Geschäftsführer der GfK, stehen der Betrugsskandal und die gestiegenen Vertrauenswerte für Ingenieure allerdings in keinem Widerspruch. Das Versagen von Volkswagen in der Affäre werde eher dem Management des Konzerns zugeschrieben denn seinen Technikern. (mit dpa)

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