Berufswünsche : Zweite Chance - als Buchhändlerin, Lehrer oder bei der Bank?

Die meisten Frauen würden Buchhändlerin werden wollen, wenn sie noch mal anfangen könnten. Männer würden Bankangestellte. Auch der Lehrerberuf steht hoch im Kurs.

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Perspektive Buchhandel: Für viele Frauen ein Traumberuf, sagt eine Umfrage.
Perspektive Buchhandel: Für viele Frauen ein Traumberuf, sagt eine Umfrage.Foto: Kara Fotolia

Ach, das Leben noch einmal von vorn anfangen! Nur noch die angenehmen Fehler wiederholen, nie wieder auf den falschen Partner reinfallen – und beruflich auch mal alles, alles richtig machen. Geht nicht? Geht nicht. Aber als Idee für eine Umfrage funktioniert es allemal. „Könnten Sie in Ihrem Leben noch einmal von vorn beginnen“, so wurden 5000 Befragte im vergangenen Jahr eingestimmt, „welchen Beruf würden Sie dann wählen?“

Und nun kommt es: 26,3 Prozent aller Frauen würden dann am liebsten Buchhändlerin sein. Heißt es in der Presseerklärung, aus der allerdings auch hervorgeht, dass die Umfrage vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Auftrag gegeben wurde – da überrascht das Ergebnis gleich ein kleines bisschen weniger. Aber dennoch: Buchhändlerin? Müssen diese Läden nicht gegen die Allmacht von Amazon kämpfen und das E-Buch und steigende Gewerbemieten? Also gegen den unvermeidlichen Untergang?

Nein, sagen die Befragten, im Buchhandel und in Verlagen sind die Beschäftigten besonders glücklich. Und das, obwohl sie doch tonnenweise Bücher verkaufen, in denen Menschen auf die eigenartigsten Arten ums Leben kommen. Ob man sich ausbedingen kann, dass, wenn man als Buchhändlerin neu geboren wird, skandinavische Krimis außen vor bleiben? Beispielsweise zugunsten von veganen Koch- und Körperbüchern? Feministischer Lyrik?

Männer übrigens sind nicht ganz so scharf auf diesen Job. Sie wollen im nächsten Leben lieber – ja, das steht da so! – Bankangestellter sein. Ohne Kritik an den real existierenden Bankangestellten üben zu wollen: Kann das sein? Werden die nicht gerade alle durch Geldautomaten ersetzt oder, sofern an der Spitze, mit Millionengehältern für ihr unerträgliches Leid entschädigt?

Ein Leben als Lehrer übrigens steht laut Umfrage bei Frauen wie Männern an zweiter Stelle. Auch das ist seltsam und erweckt den Eindruck, dass die Befragten die Umfrage nicht so ganz ernst genommen haben: Sie glauben einfach nicht daran, dass ihnen das Schicksal ein zweites Leben schenkt. Falls aber doch: Was wäre das für ein Land? Voll von Buchhändlern, Lehrern, Bankangestellten und, was haben wir da noch... Autohändlern. Autohändlern?

Wir hier beim Tagesspiegel können ja zumindest eine Aussage darüber treffen, ob Menschen in Verlagen echt so glücklich sind. Sie lautet: Uns geht’s normal, soweit. Jedenfalls kein Grund, zur Deutschen Bank zu wechseln.

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