Bescherung an Heiligabend : Socken sind das perfekte Weihnachtsgeschenk

Sie gelten bei der Bescherung unterm Weihnachtsbaum fast als die sprichwörtliche Einfallslosigkeit. Was für ein Fehlurteil! Strümpfe und Socken sind die besten Gaben überhaupt. Der Versuch einer Ehrenrettung.

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Schön bunt: Socken sind als Geschenk besser als ihr Ruf.
Schön bunt: Socken sind als Geschenk besser als ihr Ruf.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Eine Herausforderungen für Menschen im Umgang miteinander ist das Schenken. Was schenk’ ich bloß?, wer hätte sich darüber nicht schon tausendfach sein Hirn zermalmt. Oft soll ein Geschenk, das der Anlass nicht von selbst hergibt – wie das Brot mit Salz zum Umzug oder bei Gutverdienern der Führerschein zum 18. Geburtstag – vor allem zwei Kriterien erfüllen: Es soll nicht allzu teuer sein und bitte schön originell. Vor allem letzteres erschwert seine Beschaffung erheblich. Und das ist ganz unnötig, denn Originalität im Bereich Schenken ist völlig überschätzt.

Man könnte ganz im Gegenteil viel eher die These wagen: Je weniger nach Originalität ein Geschenk ausgesucht wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dem Beschenkten über den Überraschungsmoment des Auspackens und „Hach, wie witzig!“-Schreiens hinaus eine stillere, aber dafür anhaltende Freude bereitet.

Strümpfe beispielsweise.

Strümpfe und Socken sind im Grunde das ideale Geschenk, und es ist vollkommen unerklärlich, wie es kommen konnte, dass sie als Gegenteil davon nahezu sprichwörtlich geworden sind. Buh, von der Oma gibt’s immer nur Socken! So quengeln Kinder rund um Deutschlands weihnachtliche Gabentische und auch bei anderen Schenk-Events, und ihre Eltern nicken beifällig, ach Mensch, die Oma aber auch, wieder mit ihrem langweiligen Geschenk!, statt den Kinder den Sinn zu erklären.

Was wäre nerviger, als eine schlecht sitzende Socke?

Eine gut passende, qualitätvolle Socke, die den Fuß wohlig umschmiegt, nicht schwitzt, nicht drückt, nicht quetscht, ist die Basis fast jeden guten Tags, an dem der Mensch sich wohin auch immer bewegt. Sich auf die Socken macht, wie man ja auch sagt, ohne dass das den Strumpf imagemäßig aufgewertet hätte. Eher noch macht der Spruch den Aufbruch nieder. Wer sich auf die Socken macht, wird kaum etwas Weltbewegendes zustande bringen.

Diesen Misskredit belegen auch Untersuchungen der Gesellschaft für Konsumforschung, deren Umfragen als Befund für Socken einen sehr geringen „Kleidungsstatus“ ergaben. Drei Prozent der befragten Männer interessieren sich für den Sockenkauf, also quasi keiner. Dennoch ist der deutsche Mann im europäischen Vergleich der Socken-König. Mit 24 Paaren liegt er in Führung (nach ihrem Zustand wurde nicht gefragt). Italiener beispielsweise haben nur 17 Paar im Schrank.

Dass der Männerstrumpf in jüngerer Zeit durchaus farbig wurde und regelrecht als Accessoire durchging, hat dennoch eher auch mit dem modischen Anspruch des Stiefel-Lands (!) zu tun. Und dem hygienischen? Italiens Männer wechseln – auch das ermittelten die Konsumforscher – ihre Socken in der Regel mehrmals am Tag. Das kann für erhöhtes Stilbewusstsein oder mediterrane Käsefüße sprechen. Der deutsche Mann dagegen, der statt über die Marmorpiazza zu tänzeln graue Asphaltschluchten durchstampft, wechselt seine 24 Stocken zu 73 Prozent täglich, die anderen 27 Prozent halten sich länger im selben Paar auf.

Der Fuß ist Fundament des aufrechten Gangs

Überflüssig zu erwähnen, dass Frauen mehr Strümpfe haben, aber erstaunlich, dass sie die nur etwas häufiger täglich wechseln (80 Prozent). Dazu passt, dass auch bei Deutschlands Frauen der Sockenkauf kaum Ansehen hat. Nur 18 Prozent können ihm etwas abgewinnen – wo Frauen doch sonst nahezu jedem Bekleidungsteil ein verlässliches Basisinteresse entgegenbringen. Nicht aber hier. In der Abteilung Strumpfwaren hat am ehesten die Nylonstrumpfhosenvariante etwas Flair. Fast ein Fünftel des jährlichen knapp über einer Milliarde Euro liegenden Umsatzes für Strumpfwaren wird hier erwirtschaftet. Aber bei Nylons geht es ja auch schon wieder ums ganze Bein.

Liegt das Schmachvolle am Socken- oder Strumpfthema also am Fuß selbst, der beim Kauf ja automatisch mitgedacht werden muss? Der da unten irgendwie in Schuhe gequetschte Körperteil, dessen unattraktive Nacktmullenhaftigkeit jeden Sommer wieder für erschrockene Aufmerksamkeit sorgt (Darf man die in Sandalen überhaupt zeigen?) Sind Kopf und Herz des Menschen nicht nur im physischen Sinne sondern auch mental fern vom Fuß? Er ist doch das Fundament des aufrechten Gangs. Was man immer dann besonders zu spüren bekommt, wenn eine Socke rutscht oder drückt. Das kann einem den Tag ruinieren.

Nun ist Strumpf ja auch nicht gleich Strumpf, und vor allem der praktische Dreier- oder Fünferpack schon rein optisch nichts für einen Gabentisch. Erstens, weil er sich nur schwer verpacken lässt und dann sieht er auch arg nach Discounterangebot aus. Da könnte ein Weihnachtsfest die ideale Gelegenheit sein, mal für einen lieben Verwandten oder Bekannten – und sei es heute auf den letzten Drücker – ein Paar erstehen: fein gewebt, vielleicht sogar fair gehandelte Baumwolle?

Denn das ist noch so ein Strumpf-Trumpf, mit dem er längst in der Geschenkehitliste ganz weit nach vorn kommen könnte: Anders als fast alle anderen Kleidungsstücke, die man schenken könnte, lässt sich von Socken eins sicher annehmen: Dass sie passen.

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