Besuch bei Benedikt XVI : Stoiber bereut in Rom

Edmund Stoiber ist mit einer 150-köpfigen CSU-Delegation im Gefolge von Papst Benedikt XVI in Rom empfangen worden. Gegenüber den Abgeordneten zeigte sich der CSU-Chef in einer Rede äußerst selbstkritisch und bat um einen Neuanfang.

Rom - Trotz Selbstkritik von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) wegen seines umstrittenen Rückziehers hält in der CSU der Unmut über den Parteichef an. Ein Teilnehmer der Fraktions-Reise zum Papst nach Rom sagte am Donnerstag, Stoiber werde nicht aktiv in Frage gestellt. Es herrsche in der Landtags-CSU aber «tiefe Verunsicherung». Stoiber hatte sich am Dienstag nach langem Hin und Her überraschend entschieden, doch kein Ministeramt in Berlin zu übernehmen.

Der bayerische Ministerpräsident habe in einer ungewöhnlich selbstkritischen Rede vor den Abgeordneten einen Neuanfang in Aussicht gestellt. Ein CSU-Vertreter sagte: «Er sieht sehr wohl den Ernst der Situation.» Nach Informationen der Münchner «Abendzeitung» (Freitag) habe Stoiber die Landtagsabgeordneten um eine zweite Chance gebeten. «Ich möchte euch herzlich darum bitten, mir die Chance zu geben, einen Neuanfang für Bayern zu beginnen», habe er gesagt.

Mit Blick auf die Privat-Audienz bei Papst Papst Benedikt XVI. am Donnerstag sagte CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann: «Ein Besuch beim Papst tut dem Seelenfrieden immer gut.» Auch das Zusammensein während der Reise sei für den Teamgeist der Fraktion gut.

Intern hieß es jedoch, mit Blick auf Stoibers Entscheidung sei die Stimmung gedrückt. «Viele Kollegen wissen nicht, wie sie das Hin und Her draußen in ihren Stimmkreisen erklären sollen», hieß es. Innenminister Günther Beckstein (CSU) sagte: «Das ist sicherlich nicht optimal gelaufen.» Beckstein und Staatskanzlei-Chef Erwin Huber (CSU) hatten sich um die Stoiber-Nachfolge in Bayern beworben. Nach dessen Berlin-Absage ist die Nachfolge-Frage hinfällig. Nach Informationen des «Münchner Merkur» (Freitag) sagte Stoiber, was Huber und Beckstein über eine Verbesserung des Regierungsstils in Bayern gesagt hätten, «das soll nicht in den Wind gesprochen sein».

Der vor Jahren von Stoiber entlassene Justizminister Alfred Sauter (CSU) forderte eine Direktwahl des Ministerpräsidenten und eine Begrenzung der Amtszeit auf zwei Mal fünf Jahre. Nach einem Bericht von «Spiegel Online» erstellt Sauters Anwaltskanzlei dazu Gutachten. Sauter selbst betonte in Rom, es komme jetzt nicht auf einen Rücktritt Stoibers an, sondern auf eine Lösung der Probleme. Stoiber ist seit zwölf Jahren im Amt.

Ein Höhepunkt der Rom-Reise der 150-köpfigen CSU-Delegation war am Donnerstag die Privataudienz beim Papst. Zuvor begrüßte der aus Bayern stammende Pontifex Stoiber und dessen Frau Karin privat im Vatikan. Stoiber lud ihn für das kommende Jahr nach Bayern ein.

Stoiber sagte, der Papst habe sich überaus interessiert auch an der deutschen Innenpolitik gezeigt und «sehr viel Verständnis» für seine eigene Entscheidung gezeigt, in Bayern zu bleiben. Für Donnerstagabend stand ein Essen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf dem Programm. Am Freitag wollen die Abgeordneten nach München zurückreisen. (tso/dpa)

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