Betrüger : Falscher Rockefeller beharrt auf Namen

Ein 48-jähriger Deutscher hat sich in den USA jahrelang als "Clark Rockefeller" ausgegeben und so getan, als gehöre er der Bankiersfamilie an. Nun muss er sich wegen eines anderen Deliktes juristisch verantworten.

Washington/BostonEin Gericht in Boston wirft dem 48-Jährigen Kindesentführung, Überfall und gefährliche Körperverletzung vor. Der Mann, der vor Gericht als Christian Karl Gerhartsreiter aus Bayern identifiziert wurde, soll im Juli seine von ihm getrennt lebende siebenjährige Tochter mit Waffengewalt verschleppt haben.

Der Angeklagte blieb bei seiner Befragung allerdings beim Namen Rockefeller. "Die können ihn nennen, wie sie wollen", zitierte die "Boston Herald" am Donnerstag den Anwalt. "Er weiß, wer er ist. Und er ist Clark Rockefeller." Gerhartsreiter plädiert laut der "Washington Post" auf nicht schuldig. Er bleibe aber weiter in Haft und dürfe auch nicht gegen Kaution freigelassen werden.

Der Angeklagte soll seine Tochter laut Staatsanwaltschaft bei einem Besuch in Boston, bei dem auch ein Sozialarbeiter zugegen war, unter Anwendung von Waffengewalt entführt haben. Die Polizei entdeckte später Vater und Tochter in Baltimore (Bundesstaat Maryland). Gerhartsreiter hatte seine wahre Identität zunächst nicht preisgegeben. Zahlreiche Zeugen hatten ihn jedoch eindeutig identifiziert.

1978 in die USA eingereist, seitdem unter falschem Namen

Der Deutsche war nach Angaben der US-Behörden 1978 als Schüler in die USA eingereist und lebte seitdem hier unter verschiedenen Namen. Er gelte in einem weiteren Fall als "Person von Interesse", hieß es. Dabei gehe es um ein vor 23 Jahren in Kalifornien mysteriös verschwundenes Ehepaar. Die Polizei geht davon aus, dass das Paar ermordet wurde, allerdings wurden ihre Leichen nie gefunden. Gerhartsreiter soll damals unter dem Namen Christopher Chichester im Gästehaus der Eheleute gewohnt haben.

Der heute 48-Jährige soll in den 80er Jahren versucht haben, unter dem Namen Chichester eine Hollywood-Karriere zu starten, schrieb der "Boston Herald". Dann habe er sich an der Wall Street als Finanzier namens Christopher Crowe ausgegeben. Später nannte er sich Rockefeller und behauptete, Mitglied der schwerreichen Familie zu sein. (nal/dpa)

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