Betrug : Es ist was faul im Staate Dänemark

Im Land der "Du"-Sager ist das Misstrauen gering. Nun wird Dänemark aber von einer Reihe von Skandalen erschüttert. Führungskräfte machen mit Fälschungen Karriere.

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Eine Vorzeigehirnforscherin ist wegen Wissenschaftsbetrugs verurteilt. Eine Topmanagerin erfand unter falschem Namen ihren Lebenslauf und veruntreute Millionen. Und ein Promiunternehmer sahnte Kredite mit erfunden Auftragsbüchern ab. Im beschaulichen Du-SagerLand Dänemark mit betont flachen Hierarchien geht Vertrauen traditionell vor Kontrolle. Dieses Vertrauen wird angesichts der Skandale jetzt auf die Probe gestellt.

Da ist die junge Hirnforscherin Milena Penkowa. Sie war es, die verkündete, Parkinson, Alzheimer und Epilepsie heilen zu können. Und dass es eine klare Verknüpfung zwischen Dick- und Dummsein gebe. Die preisdekorierte Professorin war lange Aushängeschild für die erfolgreiche Wissenschaftspolitik der dänischen Regierung. Am Montag wurde sie von einem Gericht in Kopenhagen zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Wegen umfangreichen Forschungsbetrugs und Unterschlagung von 28 000 Dänenkronen. Schon in ihrer Doktorarbeit wurden aus wenigen Mäusen weitaus aussagekräftigere 800 Ratten. Das nahmen ihr die Prüfer schon damals nicht ab, aber Penkowa genoss Vertrauen und hatte die Mangelhaftigkeit ihrer Dissertation 2003 damit begründet, dass Mutter und Schwester plötzlich bei einem Autounfall ums Leben gekommen seien. Im krassen Widerspruch zu dieser Behauptung erschienen 2009 Mutter und Schwester gesund zum Höhepunkt ihrer Karriere: Kronprinzessin Mary verlieh der stolzen Hirnforscherin die höchste wissenschaftliche Auszeichnung des Königreichs.

Penkowa konkurriert dieser Tage im dänischen Blätterwald mit der 43-jährigen Topmanagerin Amanda Jacobsen. Um den gut bezahlten Job als Nordeuropa-Chefin des Cateringunternehmens Gate Gourmet zu bekommen, soll sie nicht nur ihren Lebenslauf, sondern sogar ihren Namen erfunden haben. Ein Doktortitel, zwei Universitätsabschlüsse und 12 Jahre bei der renommierten Unternehmensberatungsfirma McKinsey – da konnte ihr neuer Arbeitgeber einfach nicht nein sagen und vertraute ihr ein enormes Budget an. Von dem hat sie laut Pressemitteilung des Schweizer Mutterunternehmens Gategroup dann gut 17 Millionen Euro veruntreut. Einen fürstlichen Lebensstil mit Autoflotte und Luxusvillen soll sie sich damit geleistet haben. Das Vertrauen war unendlich, aber der ausschweifende Lebensstil im schlichten Dänemark machte dann doch einige misstrauisch. Journalisten gingen den Lebenslauf der Frau durch, riefen sämtliche Arbeitgeber und Hochschulen an. Alles in ihrem Leben ist erlogen. Sogar ihr Name und ihre Identität ist unbekannt. Die Frau ist abgetaucht.

Es ist etwas faul im Staate Dänemark. Der IT-Unternehmer Stein Bagger wurde hier mit Managerpreisen und Einladungen aus der feinen Kopenhagener Gesellschaft überschüttet. Bis 2008 herauskam, dass er sein Imperium auf Lügen aufgebaut hatte. In seinem kleinen Büro fand man die wahre Tätigkeit des Großunternehmers: Etwas anderes als falsche Papiere stellte Baggers IT-Konzern nicht her.

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