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Bewältigung der Erdbebenfolgen : Ecuador kündigt höhere Steuern und Abgaben an

Nach dem verheerenden Erdbeben in Ecuador führt die Regierung harte Wirtschaftsmaßnahmen ein. Der Wiederaufbau wird Milliarden kosten.

Staatspräsident Rafael Correa (Mitte) veranschlagt die Schäden auf drei Milliarden Dollar (knapp 2,7 Milliarden Euro).
Staatspräsident Rafael Correa (Mitte) veranschlagt die Schäden auf drei Milliarden Dollar (knapp 2,7 Milliarden Euro).Foto: dpa

Die Regierung des Andenstaats Ecuador hat drastische Wirtschaftsmaßnahmen zur Bekämpfung der Krise beschlossen. Staatspräsident Rafael Correa, der die durch das Beben angerichteten Schäden auf drei Milliarden Dollar (knapp 2,7 Milliarden Euro) veranschlagte, kündigte am Mittwoch (Ortszeit) die Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte auf 14 Prozent für die Dauer eines Jahres an. Zudem wird auf je tausend Dollar Monatsverdienst eine Pflichtabgabe in Höhe eines Tagesgehalts erhoben, wie Correa in seiner im Fernsehen und im Radio übertragenen Rede ausführte. Weiter ist eine einmalige Abgabe in Höhe von drei Prozent zusätzlich auf Gewinne sowie ein einmaliger Beitrag von 0,9 Prozent auf natürliche Personen mit einem Vermögen von mehr als einer Million Dollar vorgesehen. Correa stellte zudem den Verkauf einiger Vermögenswerte in Aussicht, ohne anzugeben, um welche es sich handeln könnte. Die Weltbank und die Interamerikanische Entwicklungsbank stellten nach Angaben Correas 600 Millionen Dollar (530 Mio. Euro) unmittelbar zur Verfügung.

Unter den Toten ist auch eine Deutsche

Nach dem verheerenden Erdbeben in Ecuador ist die Zahl der Todesopfer bereits auf 570 angestiegen. Insgesamt seien 13 Ausländer unter den Todesopfern identifiziert worden, teilte am Mittwochabend (Ortszeit) die ecuadorianische Staatsanwaltschaft mit. Unter ihnen befindet sich auch ein deutsches Opfer. „Wir müssen leider bestätigen, dass unter den Toten auch eine deutsche Staatsangehörige ist“, bestätigte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Donnerstag in Berlin. Die deutsche Botschaft in Quito stehe im engen Kontakt mit den Angehörigen und den Behörden vor Ort. Zu Alter und Herkunft der Frau gab es keine Angaben.

Das Beben der Stärke 7,8 hatte am Samstagabend vor allem einen rund 100 Kilometer breiten Küstenstreifen westlich der Hauptstadt Quito getroffen. Mehr als 23.500 Menschen wurden inzwischen in Notunterkünften untergebracht, berichtete der Katastrophendienst SNGR. Bei dem Beben wurden 7015 Menschen verletzt. Nach 163 Vermissten werde weiterhin gesucht. mehr als 1000 Gebäude seien total zerstört worden.

Die Rettungskräfte in Ecuador finden immer wieder weitere Todesopfer.
Die Rettungskräfte in Ecuador finden immer wieder weitere Todesopfer.Foto: REUTERS/Guillermo Granja

Über 1000 Helfer, Feuerwehrleute und Ärzte aus 20 Länder beteiligen sich an den Rettungsarbeiten. Aus den Trümmern wurden bis Mittwoch 54 Überlebende gerettet. Eine Jugendliche konnte in Manta nach 60 Stunden unter Betonfragmenten lebend geborgen werden. Auch Helfer aus Deutschland sind im Einsatz: Für die Organisation Humedica, die medizinische Katastrophenhilfe anbietet, waren zunächst sieben Kräfte in der Krisenregion, darunter drei Ärzte.

Unicef warnt vor Zika und Malaria

Die Nachbeben erschwerten die Arbeiten allerdings. Das Geophysische Institut Ecuadors registrierte am Mittwoch in kurzer Folge zwei Nachbeben der Stärke 6,2 vor der Küste des Andenlandes. Es wurden jedoch keine weiteren Schäden gemeldet. Insgesamt erschütterten nach Angaben des Instituts bis Mittwochnachmittag 568 Nachbeben die Provinzen Manabí und Esmeraldas.

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Erdbeben in Ecuador: Helfer geben Hoffnung nicht auf
Erdbeben in Ecuador: Helfer geben Hoffnung nicht auf

Die Trinkwasserversorgung sei trotz der kollabierten Wasserleitungen vorerst gesichert, erklärte Correa. Heereseinheiten verteilten Trinkwasser mit Tankwagen. Private Unternehmen liefern täglich mehr als eine halbe Million Wasserflaschen an die Notfallhelfer, wie die Zeitung „El Universo“ berichtete.

Das Kinderhilfswerk Unicef warnte vor den von Mücken verbreiteten Krankheiten wie Zika, Dengue, Malaria und Chikungunya. Die bereits vor dem Erdbeben eingeleiteten Maßnahmen zur Mückenbekämpfung werden intensiv fortgeführt, erklärte die stellvertretende Gesundheitsministerin Verónica Espinosa. (dpa)

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