Biblisches Feuer : Israelische Polizei nimmt mutmaßliche Brandstifter fest

Die Feuersbrunst in Israel ist völlig außer Kontrolle geraten – Palästinenser, Araber und Türken helfen beim Kampf gegen das "Höllenfeuer".

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03.12.2010 18:38Am Freitag ist das Feuer in Israel immer noch nicht unter Kontrolle

Viele Israelis griffen zu biblischen Vergleichen. „Ein Höllenfeuer“ wüte in Israel, hieß es. „Die Hölle auf Erden gesehen und gerochen“, titelte die Tageszeitung „Jerusalem Post“.

Der Großbrand bei Haifa ist völlig außer Kontrolle geraten. Aber das blanke Entsetzen und die tiefe Trauer über den Tod von 41 Menschen ist schnell in ohnmächtige Wut umgeschlagen. Auch weil Israel den schlimmsten Großbrand seiner Geschichte nicht allein in den Griff bekommt und das Ausland um Hilfe bitten musste. Dabei ist es eine Katastrophe mit langer Ankündigung, denn die Mängel in der Ausstattung der Feuerwehr waren seit langem bekannt.

Das Karmel-Gebirge bei Haifa wird liebevoll die „kleine Schweiz“ genannt. Für Wanderer ist der Nationalpark mit seinen Pinienwäldern und Büschen ein Juwel. Doch seit Donnerstag brennt es lichterloh in diesem Paradies. An vielen Stellen fressen sich kleine Brandherde die Hänge herunter. Über den Bergen hängt eine dicke Rauchwolke. Acht Löschflugzeuge sind am Freitagmittag im Einsatz und werfen ihre Wasserlast ab. 17 000 Menschen haben sich bereits vor dem Feuer in Sicherheit gebracht.

Es könne noch Tage dauern, bis der letzte Brandherd unter Kontrolle sei, befürchten die Einsatzkräfte. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometern pro Stunde bläst der Wind immer wieder aus anderer Richtung. Das Unterholz im Karmel-Gebirge ist trocken wie Zunder. Seit Monaten hat es nicht richtig geregnet. Der Norden Israels erlebt nach Medienberichten die größte Trockenheit seit 48 Jahren. Und während in Deutschland alles vor Kälte zittert, herrschen in Israel sommerliche Temperaturen von bis zu 28 Grad Celsius.

Für ein Feuer sind das ideale Bedingungen. Und deshalb haben die Brandherde mit rasantem Tempo um sich gegriffen. Das Feuer hat nach Angaben der Forstbehörde eine Fläche von rund 30 Quadratkilometern Wald- und Buschlandschaft vernichtet. Eine Gruppe frisch ausgebildeter Wachleute sollte bei der Evakuierung eines Gefängnisses mit 500 Insassen helfen. Als ihr Bus in Richtung Haftanstalt fuhr, habe das Feuer noch in 1500 Meter Entfernung von der Straße gelodert, berichten Augenzeugen. Nur binnen drei Minuten habe die Feuerwalze dann die Straße erreicht. Als ein brennender Baum umfiel, war dem Bus der Weg versperrt. Für 36 junge Wachmänner gab es kein Entrinnen mehr.

Auf sich allein gestellt, würde Israel den Großbrand nicht in den Griff bekommen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat deshalb das Ausland um Hilfe gebeten. Die Solidaritätswelle rollte umgehend an. Auch aus Ländern, von denen man es nicht sofort erwartet hätte, wie der Türkei, mit der Israel derzeit in Fehde lebt.

Die israelischen Feuerwehren erhalten spontane und großzügige Hilfe nicht nur von europäischen Staaten, auch von unerwarteter arabischer Seite, nämlich von den Palästinensern, Jordanien und Ägypten. Russland sandte auf israelischen Wunsch die größten Löschflugzeuge der Welt. Eine Vorhut der insgesamt rund hundert bulgarischen Feuerwehrleute waren die ersten, die in Israel aus dem Ausland eintrafen. Geradezu sensationell ist die Tatsache zu werten, dass die Türkei zwei dringend benötigte Löschflugzeuge entsandt hat. Dies geschah dank der klugen Vermittlung der deutschen Bundesregierung. Da Deutschland über keine Löschflugzeuge verfügt, leitete Berlin die israelische Bitte an Ankara weiter und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan entsprach ihr. Dies trotz der extrem gespannten Beziehungen zwischen der Türkei und Israel, aber wohl auch, weil Israel vor einigen Jahren der Türkei bei zwei schweren Erdbeben tatkräftig beigestanden hatte. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu dankte Erdogan telefonisch und erklärte sich überzeugt, dass diese Hilfsaktion die Öffnung zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen darstelle.

Trotz dieser Solidarität bleibt bei manchem Israeli ein bitterer Beigeschmack zurück. Der Nationalstolz ist sichtlich verletzt. Ein Land, das Spionagesatelliten starte, abschreckende Militäroperationen ausführe, bei Hochtechnologien führend sei, habe nach sieben Stunden keine Bestände mehr zur Brandbekämpfung, kommentiert die Tageszeitung „Maariv“. Mit „heruntergelassenen Hosen“ stehe man da und warte auf Löschflugzeuge der „Großmacht Zypern“, heißt es zynisch.

Bereits vor einer Woche, als ein Brand in den 29 Etagen hohen Shalom-Towern in Tel Aviv ausgebrochen war, schrillten in Israel die Alarmglocken. 250 Löschfahrzeuge fehlten, schrieb die „Jerusalem Post“. Überall in westlichen Ländern gebe es einen Feuerwehrmann pro 1000 Einwohner. In Israel dagegen nur einen für 5000. Nicht einmal ausreichend Hydranten seien vorhanden.

Die Tageszeitung „Haaretz“ berichtet, dass bereits vor zwölf Jahren ein Komitee die Mängel bei der Feuerwehr aufgelistet und auf Strukturveränderungen gedrängt habe. Das Problem mit den fehlenden Löschflugzeugen sei mehrmals im Kabinett angesprochen worden, sagt Außenminister Avigdor Lieberman. Aber nichts bewegte sich. Jetzt, nach dem Desaster, kündigte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an, dass Israel Löschflugzeuge kaufen werde. mit dpa

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