Welt : Bienenforscher als Profiler

Londoner Forschung soll der Polizei helfen

Vincent Venus

London – So wie sich Hummeln und Bienen bei der Futtersuche verhalten, wählen Mörder den Ort ihres nächsten Opfers aus. Das geht aus den Untersuchungen von Nigel Raine hervor, Forscher an der Universität Queen Mary in London. „Die meisten Morde geschehen in Wohnungsnähe, aber nicht in der unmittelbaren Nachbarschaft des Täters“, schreibt Raine.

Ähnlich verhalte es sich bei den Hummeln. Diese würden bei der Pollensuche um ihr Nest in einer „Pufferzone“ alle Blüten unberührt lassen, um Jägern und Parasiten keine Hinweise auf ihre Brut zu geben. Die bei seiner Forschung verwendete Vorgehensweise hatte Raine aus der Kriminologie übernommen – nun könnten seine Erkenntnisse umgekehrt helfen, die Methoden der Polizei weiter zu verfeinern.

Zu diesem Zweck unterstützt Kim Rossmo das Forscherteam, ein ehemaliger Polizist aus den USA und Experte im „geographic profiling“, der geografischen Profilerstellung bei schweren Verbrechen. Dabei werden Details über den Tatort, leerstehende Autos, Leichenfunde und Ähnliches in ein Modell eingefügt. Raine analysierte mit diesem System unter anderem die Blütenauswahl der Hummeln.

Raine gibt zwar zu bedenken: „Bienen haben ein vergleichsweise einfaches Gehirn. Es ist leichter, ihre Futtersuche zu analysieren, als die komplexen Gedanken eines Serienmörders zu durchschauen.“ Die Vereinfachung auf die Insektenebene könnte aber später bei der komplexen Suche nach Kriminellen helfen. Vincent Venus

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