• Bill Cosby und die 100 Millionen Frage: Drei weitere Frauen werfen Comedian Missbrauch vor

Bill Cosby und die 100 Millionen Frage : Drei weitere Frauen werfen Comedian Missbrauch vor

Gegen den ehemaligen Sitcom-Star Bill Cosby werden immer neue Anschuldigungen laut. Mehr als 20 Frauen werfen ihm Vergewaltigung und Missbrauch vor. Promi-Anwältin fordert nun einen Entschädigungsfonds für die Opfer.

Mit der "Bill Cosby Show" wurde er weltberühmt
Mit der "Bill Cosby Show" wurde er weltberühmtFoto: dpa

Drei weitere Frauen haben Missbrauchsvorwürfe gegen US-Fernsehstar Bill Cosby erhoben. Sie schilderten am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Los Angeles, wie sie der heute 77-Jährige vor Jahrzehnten sexuell bedrängt und missbraucht habe. Die Promi-Anwältin Gloria Allred forderte in ihrem Namen Cosby auf, von sich aus auf die Verjährungsfrist bei Vergewaltigungen zu verzichten - oder einen Entschädigungsfonds mit 100 Millionen Dollar (rund 80 Millionen Euro) für seine Opfer einzurichten.

Eine der drei Frauen, Beth Ferrie, schilderte unter Tränen, wie sie Cosby in den 1980er Jahren nach der Beendigung einer Affäre mit ihm unter Drogen gesetzt und sich an ihr vergangen habe. Als sie ihn zur Rede stellen wollte, habe er alles abgestritten. Zur selben Zeit glänzte Cosby in der Familien-Sitcom "The Cosby Show".

Ganze Flut von Anschuldigen

Die Schilderungen der drei Frauen reihen sich in eine ganze Flut von Anschuldigungen des Missbrauchs bis hin zur Vergewaltigung gegen Cosby ein. Rund 20 Frauen aus mehreren US-Bundesstaaten haben sich inzwischen gemeldet, ihre Vorwürfe ähneln sich: Demnach soll Cosby sie betrunken gemacht oder sie unter Drogen gesetzt und dann sexuell bedrängt oder gar vergewaltigt haben.
Die ihm vorgeworfenen Vergehen liegen Jahrzehnte zurück, einige reichen bis in die 1960er Jahre. Erst am Dienstag hatte eine Kalifornierin in Los Angeles eine Zivilklage eingereicht, weil sie 1974 als 15-Jährige von dem TV-Star missbraucht worden sei.

Die drei neuen mutmaßlichen Opfer werden von Anwältin Allred vertreten. Sie forderte Cosby auf der Pressekonferenz auf, "diesen Albtraum zu beenden". Er solle auf die Verjährungsfrist verzichten, damit den Anschuldigungen vor Gericht nachgegangen werden könne. Dann könnten "ein Richter und eine Jury entscheiden, wem geglaubt werden sollte". Sie habe bislang weder mit Cosby selbst, noch mit seinen Anwälten vor ihrer Pressekonferenz über ihren Vorschlag gesprochen, sagte Allred.

Mangel an Beweisen

Selbst bei einer Aufhebung der Verjährungsfrist aber ist fraglich, ob es zu einem Prozess kommen wird, da sich die Vorwürfe nur schwer belegen lassen. 2005 hatte die frühere Chefin des Basketballclubs der Temple-Universität in Philadelphia, Andrea Constand, Cosby wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Aus Mangel an Beweisen verzichtete die Staatsanwaltschaft aber auf eine Anklage gegen den Star.
Mit seiner Entscheidung habe er nicht sagen wollen, dass Cosby die Tat nicht begangen habe, erklärte der damals verantwortliche Staatsanwalt Bruce Castor nun dem Sender NBC. Doch hätten die Beweise für eine Verurteilung eindeutig nicht ausgereicht.

Geplantes Comeback abgesagt

Constand strengte daraufhin ein Zivilverfahren an, dieses wurde aber 2006 nach einer außergerichtlichen Einigung eingestellt, bei der Cosby eine größere Geldsumme gezahlt haben soll.
Cosby selbst äußert sich nicht zu den Vorwürfen, sein Anwalt Martin Singer hat sie bislang stets zurückgewiesen. Noch in der vergangenen Woche erklärte er, die immer neuen "unbestätigten und wunderlichen Geschichten über Dinge, die vor 30, 40 oder gar 50 Jahre geschehen sein sollen" hätten inzwischen ein "Ausmaß angenommen, das jenseits des Absurden liegt".
Die Karriere des einstigen Fernsehstars liegt inzwischen in Scherben, Fernsehauftritte sowie ein geplantes Comeback mit einer neuen Sitcom wurden abgesagt. Am Montag zog sich der 77-Jährige aus dem Verwaltungsrat der Temple-Universität zurück, dem er 32 Jahre lange angehört hatte.

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