Birma : UN: 2,5 Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe

Noch immer leiden Millionen Menschen nach der Zyklon-Katastrophe in Birma unter Hunger und Obdachlosigkeit. Doch die Machthaber in Rangun behindern weiterhin ausländische Helfer. Die UN erwägen jetzt einen neuen Vorstoß.

Birma
Warten auf Hilfe. -Foto: dpa

Rangun/New YorkIn Birma ist am Donnerstagmorgen das erste Flugzeug mit 20 Tonnen Hilfsgütern aus Deutschland für die Zyklon- Opfer eingetroffen. An Bord der Maschine waren unter anderem vier Anlagen zur Wasseraufbereitung, berichtete die deutsche Botschaft in Rangun. Bei den Vereinten Nationen in New York wächst derweil die Frustration über den Widerstand der Militärjunta gegen ausländische Helfer. "Die Größenordnung dieser Situation erfordert eine verstärkte Mobilisierung von Ressourcen und Hilfskräften", sagte Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, John Holmes, werde nun persönlich nach nach Birma fliegen, um die Juntageneräle zu einer Öffnung zu bewegen. Der UN-Botschafter Birmas, Kyaw Tint Swe, warnte davor, die Situation "zu politisieren".

Die deutschen Wasseraufbereitungsanlagen sollen in Birma vom Welternährungsprogramm WFP in das Katastrophengebiet gebracht werden. Das WFP hat einheimische Mitarbeiter im Land, die anders als Ausländer in das Sperrgebiet reisen dürfen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass zehntausende Überlebende fast zwei Wochen nach dem Zyklon "Nargis" noch verletzt und obdachlos auf Hilfe warten. Die Militärregierung geht von mehr als 60.000 Toten und Verletzten aus. Hilfsorganisationen befürchten mehr als 100.000 Tote.

Einheimische Helfer verteilen Lebensmittel

Die Welthungerhilfe hatte am Mittwoch die ersten Lastwagen mit 18 Tonnen Reis, Linsen, Öl und Salz ins Irrawaddy-Delta nach Bogale geschickt. Dort sollten einheimische Mitarbeiter die Verteilung organisieren. "So können wir garantieren, dass unsere Hilfe wirklich bei den notleidenden Menschen ankommt", sagt Angela Schwarz, Regionalkoordinatorin der Welthungerhilfe in Birma. In Bogale war bisher kaum Unterstützung für die Opfer angekommen.

Die Vereinten Nationen gehen inzwischen davon aus, dass bis zu 2,5 Millionen Menschen dringend Nahrungsmittel, Medikamente und Unterkünfte brauchen. Das Welternährungsprogramm konnte bisher nur 700 Tonnen Reis und Bohnen für rund 100.000 Menschen liefern.

Die Vereinten Nationen wollen das Regime in Birma weiter drängen, mehr Visa für internationale Helfer zuzulassen. Die Militärregierung in Birma habe mit der Gewährung von weiteren Visa eine "gewisse Flexibilität gezeigt, aber es ist nicht genug", meinte Ban. Der Sonderbeauftragte für humanitäre Angelegenheiten im Auswärtigen Amt, Busso von Alvensleben, sprach am Mittwoch in Rangun von Bewegung: "Ich sehe gewisse Anzeichen dafür, dass wir weiterkommen. Steter Tropfen höhlt den Stein."

Anders äußerte sich Thailands Regierungschef Samak Sundaravej, der die zurückgezogenen Juntageneräle eigens in ihrer abgelegene Hauptstadt Naypyidaw aufsuchte, um sie zu einer Öffnung des Landes zu bewegen: "Sie bekräftigen, dass sie keine ausländische Hilfe brauchen", sagte er.

Wahlergebnisse: 92 Prozent für neue Verfassung

Das birmanische Staatsfernsehen gab unterdessen die Ergebnisse der Abstimmung vom letzten Samstag bekannt. Demnach haben die Birmanen mit überragender Mehrheit einer neuen Verfassung zugestimmt. 92,4 Prozent der Wähler sprachen sich für den von der Militärregierung ausgearbeiteten Entwurf aus. Die Junta hatte die Abstimmung trotz der verheerenden Wirbelsturm-Katastrophe stattfinden lassen. (svo/dpa)

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