Welt : Bis zu 2000 Tote nach Seebeben in Asien

Durch das neue starke Seebeben im Indischen Ozean sind auf der Insel Nias vor Sumatra möglicherweise bis zu 2000 Menschen ums Leben gekommen. Rettungskräfte suchen auf der besonders betroffenen Insel Nias vor Sumatra weiter nach Überlebenden.

Jakarta (29.03.2005, 15:26) - Die minutenlangen Erschütterungen der Stärke 8,7 forderten in der Nacht zum Montag (Ortszeit) vor allem auf den indonesischen Inseln Nias und Simeulue zahlreiche Todesopfer. Noch am Dienstag lief die internationale Hilfe an. Viele Regionen waren für die Helfer nicht erreichbar, weil Flughäfen, Brücken und Straßen zerstört waren. Mit der verheerenden Flutwelle vom 26. Dezember, bei der etwa 300 000 Menschen starben, ist das neue Seebeben jedoch nicht zu vergleichen.

Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla rechnete allein auf Nias mit bis zu 2000 Toten. Dies sei nur eine «grobe Schätzung». Helfer suchten verzweifelt in den Trümmern der vor Sumatra gelegenen Insel nach Überlebenden. In den ersten Stunden nach dem Beben wurden bereits 400 Leichen geborgen. Gut 1000 Menschen galten als vermisst. «Das Problem ist, überhaupt in das Katastrophengebiet zu gelangen», sagte der Sprecher des UN-Kinderhilfswerks UNICEF, John Budd. Auf der Nachbarinsel Simeulue wurden nach ersten Angaben 100 Menschen getötet und 2000 verletzt. Eine drei Meter hohe Flutwelle soll die Insel, die bereits im Dezember schwere Schäden erlitten hatte, getroffen haben.

Auch in anderen Teilen Südostasiens brach unter den Menschen nach Erdstößen eine Massenpanik aus. Vor allem in der indonesischen Provinz Aceh hatte die Angst vor einem Tsunami die Menschen in die Flucht getrieben. «Dabei kam es zu zahlreichen Massenunfällen auf den überfüllten Straßen», berichtete Birgit Zeitler von der Welthungerhilfe. Später beruhigte sich die Lage wieder. Auch in den Küstengebieten Indiens und Sri Lankas ließ die Angst vor einer Flutwelle nach. Die Menschen kehrten in ihre Häuser zurück.

Die Hilfseinsätze auf der Insel Nias wurden durch den teilweise zerstörten Flughafen sowie beschädigte Brücken und Straßen erschwert. Nur Helikopter und kleine Flugzeuge konnten nach Augenzeugenberichten noch landen. «Von der Westküste haben wir überhaupt keine Nachrichten», sagte Johanniter-Mitarbeiter Marc Cachon. Nach Informationen des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) sind mehr als 80 Prozent der Gebäude in der Hauptstadt Gunungsitoli eingestürzt. Etwa 10 000 Menschen sollen obdachlos und Tausende verschüttet sein. «Gunungsitoli ist eine tote Stadt», sagte ein Behördenvertreter. In dem Verwaltungszentrum leben 30 000 Einwohner.

Die rund 1500 Kilometer nordwestlich von Jakarta gelegene Inseln Nias und Simeulue befinden sich nahe des Epizentrums des neuen Bebens. In dieser Region hatte im Dezember die Tsunami-Katastrophe nach Erdstößen der Stärke 9,0 verheerende Schäden verursacht. Nach Angaben des Geoforschungszentrums Potsdam kann es bei dem jüngsten Beben «keine erhebliche Aufwärtsbewegung des Meeresbodens» gegeben haben. Daher sei diesmal ein großer Tsunami ausgeblieben.

Das neue Beben habe auch auf Sumatra Straßen und Brücken zerstört, sagte der Vizechef des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) in Jakarta, Markus Dolder. Teilweise sei der Strom ausgefallen. Im Süden der Provinz Aceh habe es eine «kleinere Welle ins Landesinnere» gegeben. «Aber die war natürlich nie von der Stärke des Tsunamis Ende 2004.» An manchen Stränden seien Läden weggespült worden. Hunderte von Häusern sollen zerstört worden sein; es gab aber keine Informationen über Todesopfer auf Sumatra.

Das indonesische Militär brachte Hilfsgüter und Helfer mit Hubschraubern und Kriegsschiffen in die betroffenen Gebieten. Ein Rotes-Kreuz-Team mit Ärzten und Rettungssanitätern flog nach Nias. Auch der Malteser Hilfsdienst schickte eine Mediziner-Gruppe und Hilfsgüter, wie die Organisation in Köln mitteilte. Die indische Regierung bot eine Soforthilfe in Höhe von zwei Millionen Dollar an.

Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesaußenminister Joschka Fischer bekundeten ihr Beileid. Fischer bot Indonesien «praktische Hilfe» an. Dem Auswärtigen Amt war zunächst nichts über deutsche Opfer bekannt. Dagegen meldete das französische Außenministerium drei Urlauberinnen auf der Insel Nias, die als Surferparadies gilt, als vermisst. Reiseveranstalter erwarten nach dem Beben keinen weiteren Einbruch der Buchungszahlen. Die asiatischen Länder seien eher Winterziele für Urlauber, hieß es. (tso)

(tso)

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