Welt : Bitte schön hecheln

Finnische Hunde sollen den Braunbären „Bruno“ fangen. Aber zuerst wurden sie den Kameras der Weltpresse gezeigt

Veronika Schandl[Scharnitz]

Die fünf finnischen Elchhunde, die Jagd auf den Braunbären „JJ1“ – genannt „Bruno“ – machen sollen, hielten gestern in Scharnitz brav die Schnauzen in die Kameras. An der kurzen Leine ihrer Herrchen gehalten und mit dem GPS-Gerät auf dem Rücken, waren sie das Objekt der Begierde für Journalisten. Immerhin sollen Peni, Jimmy, Atte, Jeppe und Raiku den Braunbären schnellstmöglich stellen. Einziges Problem: Nachdem am Sonntag wegen einer Panne ein erster Suchversuch abgebrochen werden musste, fehlt den Finnen die Fährte.

Es schien so einfach zu sein – zu einfach. Am Sonntag trafen die vier Bärenjäger mit ihren fünf Spürnasen ein. Am gleichen Tag bestätigte sich, dass „Bruno“ an der Gangalm bei Vomp (Tirol) im Karwendelgebirge einen Hasenstall verwüstet hatte. Einer der Hunde nahm gegen 12 Uhr die Fährte auf. „In zwei Stunden hatten wir einen Kilometer geschafft“, sagt Walter Wagner, Bärenanwalt der österreichischen Bundesforste. Doch nach einem Protest vereinzelter Jagdpächter, dass der Bär nicht in ihrem Gebiet gejagt werden dürfe, musste die Aktion abgebrochen werden. Und die Spur des Bären verflog. Inzwischen hat Österreich eine Zwangszustimmung erwirkt, betont der Tiroler Landesrat Anton Steixner. Ein Einspruch der Pächter habe keine aufschiebende Wirkung, und sollten sie dagegen klagen, „sehe ich dem gelassen entgegen“, gibt sich Steixner kämpferisch.

Doch Hinweise auf „Bruno“? Fehlanzeige. So konnten die finnischen Vierbeiner ihre Pfoten gestern nur in die Sonne strecken. Sie haben nicht nur mit dem hochalpinem Gebirge zu kämpfen, sondern auch mit der Hitze. „Zwei haben wir am Sonntag noch geschoren – sie auf Sommer eingestellt", sagt Felix Knauer von der Universität Freiburg. Er und Bärenanwalt Wagner hatten den Expertentrupp bereits am Sonntag begleitet, stehen auf Abruf bereit. „Wir warten jetzt auf den nächsten Hinweis“, erläutert Knauer die Strategie. Sobald dieser eingeht, macht sich einer der Hunde auf die Suche. An der Leine eines Bärenjägers macht er sich tagsüber – bei Nacht wäre es in dem Gelände zu gefährlich – auf die Suche, folgt „Brunos“ Fährte. Die Prozedur im hochalpinen Karwendelgebirge bringt die Hunde, die in Finnland vor allem in flachem und hügeligem Gebiet in Aktion sind, an ihre Grenzen. „Der Hund läuft dem Bären so lange nach, bis er ihn sieht oder sein Tageslager findet“, erläutert Knauer. Dann werde der Hund von der Leine gelassen, er soll den Bären stellen und ablenken, damit Professor Christian Walzer einen perfekten Schuss mit seinem Spezialbetäubungsgewehr aus rund 80 Metern Entfernung setzen kann. Der Veterinär hat eine Professur an der Universität in Wien, er bekam bereits an die 100 Tiere vor den Lauf, in freier Wildbahn „aber vielleicht eine Hand voll“. In Zentralasien versetzte er vor allem Nashörner in den künstlichen Schlaf. Die Mission im Karwendelgebirge ist für ihn Routine und „nicht gefährlich“, wie er sagt. Spätestens fünf Minuten nachdem Walzers Betäubungspfeil den Bären getroffen hat, ist dieser für mindestens zwei Stunden außer Gefecht gesetzt. „Die Dauer kann ich mit der Dosierung steuern“, sagt der Experte.

Sollte das Jungtier dem Tierarzt in hochalpinem Gelände vor den Lauf kommen, wird der betäubte 200-Kilogramm-Koloss mit einem Hubschrauber ins Tal transportiert, ansonsten mit einem Geländewagen – immer sicher verstaut in der Röhrenfalle.

Wem der streunende Braunbär dann gehört, ist laut Dr. Roland Eichhorn, Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, noch nicht abschließend geklärt. Neben der Option, ihn in den drei Hektar großen Wildpark Poing bei München zu bringen, besteht die Möglichkeit, ihn zurück nach Trentino zu schicken, nach Italien. Wahrscheinlich wäre er dann bald wieder zurück.

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