Blackbox Flug MH370 : Neue Signale - vielleicht zum letzten Mal

Neue Signale: Insgesamt vier Mal sind jetzt Funkzeichen der Blackbox von Flug MH370 empfangen worden. Und nicht nur die Zeit drängt - die internationale Suchaktion wird immer teurer.

Rainer W. During
Ein Straßenarbeiter fegt ein Bild von Flug MH 370 in Manila. Foto: dpa
Ein Straßenarbeiter fegt ein Bild von Flug MH 370 in Manila.Foto: dpa

Nach einem Tag Schweigen hat die Blackbox offenbar noch einmal gesendet: Gut einen Monat nach dem Verschwinden des malaysischen Passagierflugzeugs MH370 hat das australische Suchschiff "Ocean Shield" erneut Signale empfangen, die aus dem Wrack der Boeing stammen könnten. Am Dienstagnachmittag und in der Nacht zum Mittwoch habe es entsprechende Signale gegeben, sagte der Leiter des Koordinierungszentrums für die Rettungsarbeiten in Perth, Angus Houston, am Mittwoch.

Damit wurden insgesamt vier Mal Signale aufgefangen. Die empfangenen Signale deuteten auf das Vorhandensein einer Black Box hin, sagte Houston. Nun sei es vermutlich nur noch eine Sache von „Tagen“, bis Wrackteile des Flugzeugs gefunden würden. Vielleicht ist da aber auch der Wunsch der Vater des Gedanken, denn die Zeit drängt: Die Batterien der Flugschreiber halten etwa einen Monat durch. Das Gerät der am 8. März abgestürzten Boeing 777 dürfte also in diesen Tagen verstummen.

Zusammenarbeit der Suchtruppen funktioniert nur begrenzt

Rund einen Monat nach dem Verschwinden von Flug MH370 bemühen sich di Suchmannschaften im Indischen Ozean verzweifelt, weitere Funksignale von den Black Boxes der Boeing 777 zu orten. Jüngste Meldungen zeigen, dass die Zusammenarbeit zwischen der multinationalen Suchtruppe und den chinesischen Rettungskräften offenbar nur begrenzt funktioniert. Ein Reporter der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua berichtete von Bord des Patrouillenbootes Haixun 01, dass man mit vier weiteren Schiffen aus China und Großbritannien am Südende des Suchgebietes nach Signalen lauscht. Mit Handsonden hatte die Besatzung am Wochenende zweimal kurzzeitig Pieptöne auf der Frequenz empfangen, die von den Kennungssendern des Flugdatenschreibers und des Cockpittonbandes genutzt wird. Koordiniert wird der Einsatz vom chinesischen Seerettungszentrum.

Der Chef der unter australischer Leitung stehenden, multinationalen Suchtruppe, Angus Houston, hatte zuvor noch nicht einmal gewusst, dass die Haixun 01 über entsprechende Technik verfügt. Er warnte vor Fehlinterpretationen, so hätte sich gezeigt, dass einige vermeintlich geortete Signale vom jeweiligen Suchschiff selbst stammten. Weil für die Lauscherei weitgehende Umgebungsruhe erforderlich ist, sollten sich stets nur wenige Schiffe im Suchgebiet aufhalten. So konzentrieren sich die Australier auf den nördlichen Bereich des rund 250 Quadratkilometer großen Suchgebietes. Dort hatte ein vom australischen Kriegsschiff Ocean Shield durch das Wasser gezogener Detektor am Sonntag in Tiefen zwischen 300 und 3000 Metern zweimal über einen längeren Zeitraum Funksignale empfangen. Obwohl auch hier noch unsicher ist, ob sie von den Black Boxes stammen, handelt es sich laut Houston um die bisher beste Spur. Man werde weiter lauschen, „bis wir keinen Zweifel daran haben, dass die Senderbatterien leer sind“, sagte er. Sie haben eine Betriebsdauer von rund 30 Tagen.

Suchaktion kostete bisher 32 Millionen Euro

Ohne weitere Signale lässt sich ein möglicher Absturzort nicht genug eingrenzen, um das unbemannte Unterwasserfahrzeug Bluefin-21 der US Navy nach Flugzeugteilen suchen zu lassen, sagte Houston. Der Ozean ist hier rund 4500 Meter tief, was der maximalen Tauchtiefe des knapp fünf Meter langen, torpedoähnlichen U-Bootes entspricht. Es ist mit Sonargeräten ausgestattet, die Bilder vom Meeresboden aufnehmen können. Gleichzeitig waren wieder 14 Flugzeuge im Einsatz, um – unter Berücksichtigung der Strömung – rund 700 Kilometer weiter nordwestlich nach im Meer treibenden Wrackteilen zu suchen. Bisher basiert der vermeintliche Absturzort nur auf der Berechnung von Satellitendaten und Leistungsparametern der Boeing. Schon jetzt handelt es sich nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters um die teuerste Suchaktion der Luftfahrtgeschichte. Mit geschätzten rund 32 Millionen Euro hätten sie bereits jetzt die Gesamtkosten der mehrjährigen Bergung des 2009 in den Südatlantik gestürzten Air France-Fluges AF447 erreicht. (mit AFP)

23 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben