Welt : Blüten vom Frühjahr bis zum Herbst

Wer langlebige. „echte“ Hornveilchen pflanzen möchte, muss sehr auf die Sorten achten

Tassilo Wengel
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Bei dieser Züchtung wurden Stiefmütterchen als Kreuzungspartner verwendet. Je mehr Erbgut von ihnen in dieser...

Wenn im Frühling die ersten Gefäße auf dem Balkon oder der Terrasse bepflanzt werden sollen, dann bieten Hornveilchen (Viola cornuta) mit ihren Blüten in schönen Farben einen dekorativen Blickfang. Ihren Namen erhielt die Pflanze durch das hinten an der Blüte befindliche Hörnchen. Zusammen mit Stiefmütterchen (Viola-Wittrockiana-Hybriden), Gartenprimeln (Primula-Elatior-Hybriden) und Tausendschön (Bellis), aber auch mit früh blühenden Tulpen und Narzissen lassen sich reizvolle Arrangements gestalten.

Das Hornveilchen stammt ursprünglich aus den Pyrenäen, hat sich aber im Laufe der Zeit auch in anderen Regionen von West- bis Mittel- und Südeuropa eingebürgert. Nachdem es Carl von Linné, der Begründer der systematischen Botanik 1763 erwähnte, wurde es in England bald in gärtnerische Kultur genommen. Bis heute hat sich die Art auf der Insel gehalten und ist dort eine häufig vorkommende und dauerhafte Gartenpflanze geworden.

In anderen Gegenden Europas wird das Hornveilchen als reine Art selten kultiviert und auch in Deutschland ist es kaum erhältlich. Angeboten werden vor allem Viola-Cornuta-Hybriden, die nicht immer dauerhaft sind. Diese Züchtung begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts in England durch G. Werming, der Viola cornuta mit Viola gracilis kreuzte. Es entstand das Werming-Veilchen, das über mehrere Jahre im Garten erhalten bleibt.

Die rege züchterische Tätigkeit führte allerdings dazu, dass neben dauerhaften Wildarten auch kurzlebige Stiefmütterchen als Kreuzungspartner verwendet wurden. Gartencenter und Blumengeschäfte bieten diese Pflanzen in reicher Vielfalt leider als Hornveilchen an. Da in diesen Züchtungen nur ein kleiner Rest der ursprünglichen Eigenschaften erhalten blieb, weiß niemand beim Erwerb der Blumen, ob es sich wirklich um langlebige „echte“ Hornveilchen handelt.

Allerdings hat der Standort im Garten auch Einfluss auf die Lebensdauer. Er sollte sonnig bis halbschattig sein. Heiße Plätze sind ebenso ungeeignet wie sehr schattige Standorte, ein sandig-humoses Substrat ist nicht zu empfehlen. Die Blütezeit reicht vom Frühjahr bis in den Herbst, allerdings mit einer kurzen Unterbrechung. Empfehlenswert ist es, die Pflanzen nach der ersten Blüte zurückzuschneiden. Dabei entfernt man alle vorhandenen Blüten und Knospen, um einen kräftigen, neuen Austrieb zu erreichen. Innerhalb kurzer Zeit erstrahlt die Pflanze wieder mit einer Fülle von Blüten, die sich in steter Folge bis zum Herbst entwickeln. Voraussetzung ist, dass man gut wässert und eine Gabe Volldünger verabreicht. Mit Fichtenreisig geschützt, überdauern die Hornveilchen den Winter gut und blühen bei einer Lebensdauer von drei bis zehn Jahren in der nächsten Saison wieder reich.

Wer die Pflanzen selbst vermehren möchte, kann sie im Frühjahr leicht teilen. Auch die Vermehrung durch Stecklinge ist problemlos. Dazu schneidet man blütenlose Triebe von der Pflanze ab, steckt sie in ein Gemisch aus Torfmull und Sand und hält sie unter Folie oder Glas gleichmäßig feucht.

Hornveilchen lassen sich vielseitig verwenden und schmücken nicht nur Kästen oder Kübel. Auch im Garten bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Hübsch wirken sie in den Fugen zwischen Wegeplatten, am Rande von Staudenbeeten oder im Steingarten. Auch vor Gehölzen kann man sie gut verwenden, wo sie in Tuffs gepflanzt für Farbe sorgen.

Während das Hornveilchen als Wildart keine große Bedeutung für den Garten hat, gibt es zahlreiche andere schöne gartenwürdige verwandte Arten. Manche sind recht schwierig in der Kultur, einige lassen sich aber gut halten.

Recht anspruchslos ist das bekannte Märzveilchen (Viola odorata), das seine duftenden violetten Blüten vor allem im März und April entfaltet. Auch als Duftveilchen bekannt, wächst und blüht es in voller Sonne ebenso wie im tiefen Schatten und fühlt sich im Randbereich von Ziergehölzen auf lehmig-humosem Boden besonders wohl. Außerdem verträgt es auch mal längere Trockenperioden ohne Schaden. Da sich die Pflanze nicht nur durch Ausläufer, sondern auch durch Samen leicht verbreitet, entsteht in kurzer Zeit ein regelrechter Veilchenteppich. Neben der Wildart sind zahlreiche Farbsorten entstanden deren Farbskala der Blüten von weiß (,Alba‘) über cremegelb (,Irish Elegence‘), fleischrot (,Red Charme‘), dunkelrot (,Rubra‘) bis blauviolett (,Königin Charlotte‘) und tiefblau (,Triumph‘) reicht. Die Sorte ,Königin Charlotte‘ – schon seit 1905 vorhanden – blüht nicht nur im Frühling, sondern noch einmal etwa zehn Wochen im Herbst.

Eine reizende, wenn auch duftlose Art ist das Pfingstveilchen (Viola sororia) aus Nordamerika. Seine großen, tiefvioletten Blüten mit weißem Auge erscheinen von April bis Mai über einem üppigen, dunkelgrünen Blattteppich von etwa 20 Zentimetern Höhe. Die Pflanze liebt einen sonnigen bis lichtschattigen Platz sowie mildfeuchten, etwas lehmigen Boden. Ähnliche Ansprüche stellt auch das Labrador-Veilchen (Viola labradorica) aus Nordamerika. Gelegentlich ist vor allem die Sorte ,Purpurea‘ mit purpur eingefärbten Blättern erhältlich, zu denen die porzellanblauen Blüten einen hübschen Kontrast bilden. Es breitet sich mit kurzen Ausläufern, aber auch durch zahlreiche Sämlinge aus und blüht von April bis in den Mai hinein. In Europa, Asien und Amerika weit verbreitet ist das Zweiblütige Veilchen (Viola biflora). Diese rasenförmig wachsende Pflanze entfaltet ihre gelben Blüten von Mai bis Juli. Sie gedeiht am besten an einem halbschattigen Platz in lockerem, humosem Boden mit mäßiger Feuchtigkeit.

Bezugsquellen: J. Eschmann, CH-6032 Emmen, Tel. 041/ 55 64 73; Friesland Staudengarten, Uwe Knöpnadel, Husumer Weg 16, 26441 Jever, Tel. 04461/3763, Fax 04461/ 2307.

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