Welt : Blumen: Der Sprachführer: Auf die Farbe kommt es an

(Quelle: M. Nickig,E.-O. Luthardt["Mit Blumen]

Blumen schenkt man aus vielerlei Anlässen. Die Skala reicht von der unverbindlichen Aufmerksamkeit bis zur leidenschaftlichen Liebeserklärung; vom Dankeschön bis zur Anerkennung einer Leistung. Bei der Auswahl der Blumen kann sich der Schenkende heute vom jahreszeitlichen Angebot und - sofern bekannt - dem Geschmack des oder der zu Beschenkenden leiten lassen. Die Zeit, in der die Blumensprache zum guten Ton gehörte, ist mittlerweile vorbei.

Im 18. und 19. Jahrhundert umging man mit ihrer Hilfe gesellschaftliche Tabus und sagte sich "durch die Blume", was man sich sonst nicht traute. Doch Kommunikation funktioniert bekanntlich nur, wenn beide Seiten die Sprache beherrschen. Heute müsste man daher wohl dem sorgfältig kombiniertem Strauß ein Lexikon beilegen, wie beispielsweise das um 1780 in fünfter Auflage erschienene Taschenbuch von C.V. Bürger: "Der Blumensprache neuste Deutung - Ein Buch der Liebe und Freundschaft".

Auch in der heutigen Zeit kann es allerdings sinnvoll sein, die individuellen Eigenheiten des oder der Beschenkten zu berücksichtigen: "Überreicht man einer zierlichen, kleinen Braut einen dicken Strauß, über den sie kaum hinwegsehen kann, so ist das ungeschickt. Beschenkt man aber eine stämmige Frau von hohem Wuchs mit einem Biedermeiersträußchen, so ist es zur Lächerlichkeit nur noch ein kleiner Schritt", warnt Roger Rössing in seinem Ratgeber "Blumen schenken". Wer sich dennoch der Blumensprache bedienen möchte, kann seinem Strauß schon durch die Kombination der Blütenfarben allegorischen Sinn verleihen:

weiß / grün: platonische Liebe
weiß / rot: erotische Erfüllung
weiß / gelb: Erhörung durch den/die Geliebte(n)
weiß / blau: kluge Liebestaktik
weiß / violett: Bescheidenheit in der Liebe
rot / grün: Ausdruck stürmischer Zuneigung
rot / blau: Neugierde (auf den Partner)
rot / gelb: schmachtende Liebe
grün / blau: Freude und Glück im Zusammenleben
grün / violett: Zufriedenheit in der Liebe

(Quelle: M. Nickig und E.-O. Luthardt, "Mit Blumen sprechen", Flechsig Verlag)

Aber Vorsicht: Wird der Strauß beim Überreichen unbedacht nach unten gehalten, bedeutet das gerade das Gegenteil von dem, was durch die Wahl der Blumen ausgedrückt werden soll.

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