Welt : Blutbad in jüdischem Gemeindezentrum erschüttert Los Angeles

Ein 37 Jahre alter Vorbestrafter schoss wahllos mit einer Maschinenpistole um sich

Wenige Wochen nach den letzten Amokläufen in den USA haben erneut zwei Männer Blutbäder angerichtet. Beide Amokläufe ereigneten sich am Dienstag in Los Angeles

Ein 37 Jahre alter Vorbestrafter hat am Dienstagabend in einem jüdischen Gemeindezentrum und Kindergarten in Los Angeles wahllos mit einer Maschinenpistole um sich geschossen und fünf Menschen verletzt.

Der von der Polizei als der 37-jährige Buford O. Furrow identifizierte Schütze war am Mittwoch weiter auf der Flucht. Drei seiner Opfer waren Kinder. Ein fünfjähriger Junge schwebte zunächst in Lebensgefahr. Einen Tag nach dem Attentat, dessen Motiv noch nach wie vor unklar ist, hatte sich der Zustand des Jungen nach Angaben der Ärzte etwas gebessert. Nach Presseberichten war Furrow bereits im Bundesstaat Washington wegen einer schweren Tätlichkeit zu neun Monaten Haft verurteilt worden. Er floh, bevor die Strafe vollzogen werden konnte.

Es war bereits das neunte schwere, mit Schusswaffen begangene Verbrechen dieses Jahres in den USA. Zuletzt war die Öffentlichkeit Ende Juli und Anfang August aufgerüttelt worden, als ein Börsenspekulant in Atlanta und ein offenbar verärgerter Arbeiter in Pellham im Bundesstaat Alabama insgesamt zwölf Menschen töteten.

Furrow war am Dienstagvormittag in das "North Valley Gemeindezentrum" eingedrungen und hatte ohne Warnung geschossen. Augenzeugenberichten zufolge sagte er dabei kein Wort. Zur Tatzeit hielten sich fast 300 Kinder in dem Gebäude auf. Es beherbergt einen Kindergarten und eine Kindertagesstätte, in denen Ferienlager abgehalten werden.

Der Täter feuerte Polizeiangaben zufolge mindestens 70 Schüsse aus einer Uzi-Maschinenpistole. Dabei wurden drei Kinder, ein 16-jähriges Mädchen und eine 68-jährige Rezeptionistin verletzt. Der fünfjährige schwer verletzte Junge musste mehrere Stunden lang operiert werden. US-Präsident Bill Clinton sprach von einem "neuen sinnlosen Akt der Waffengewalt". Er rief zum Gebet für die Verletzten und zu entschlossenem Handeln auf. Amerika müsse sicherer werden, forderte Clinton, der sich für bessere Waffenkontrollen einsetzt.

Nach den Schüssen in dem jüdischen Kindergarten hatten Spezialeinheiten der Polizei zunächst mehrere Stunden lang vergeblich ein Hotel durchkämmt, in dem Furrow vermutet wurde. Vor dem Hotel parkte ein Fluchtauto, das der Schütze kurz nach dem Anschlag gestohlen hatte. In unmittelbarer Nähe des Tatorts ließ er seinen mit großen Mengen von Munition und Sprengsätzen beladenen Kleinbus zurück.

Ein weiterer Amoklauf wurde aus Eifersucht verübt: Dieses Mal richtete ein 42 Jahre alter Amerikaner ein Blutbad an. Er erschoss vier Menschen in der Wohnung seiner Ex-Freundin und verletzte zwei weitere, wie die Polizei mitteilte. Anschließend entführte er seine frühere Lebenspartnerin. Stunden später wurde die 40-Jährige unverletzt gefunden. Der Todesschütze war zunächst weiterhin auf der Flucht. Seine Ex-Freundin hatte sich vor zwei Jahren von dem Mann getrennt, mit dem sie zwei gemeinsame Kinder hat. Unter den Toten ist der neue Lebenspartner der 40-Jährigen. Über die anderen Opfer lagen zunächst keine Angaben vor.
© 1999

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben