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Blutbad in Lüttich : Frauenleiche in Unterkunft des Attentäters gefunden

Der Attentäter von Lüttich hat bereits vor seiner Bluttat eine Frau getötet. In der Nacht ist ein Kleinkind seinen schweren Verletzungen erlegen, ein 20-Jähriger kämpft noch um sein Leben.

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Lüttich, 13. Dezember 2011: Zur Mittagszeit detonieren mehrere Handgranaten an einer Bushaltestelle im Zentrum der Stadt.Alle Bilder anzeigen
Foto: Reuters
13.12.2011 15:03Lüttich, 13. Dezember 2011: Zur Mittagszeit detonieren mehrere Handgranaten an einer Bushaltestelle im Zentrum der Stadt.

Der Attentäter von Lüttich hat bereits vor seiner Bluttat im Zentrum der belgischen Stadt eine Frau getötet. Die Staatsanwaltschaft bestätigte der belgischen Nachrichtenagentur Belga entsprechende Medienberichte. Die Leiche einer Frau um die 40 Jahre sei in einem Schuppen nahe der Unterkunft des Täters Nordine A.
gefunden worden. Offenbar handelt es sich um die Putzfrau der Nachbarn des Amokläufers.

Am Dienstag hat der 33-Jährige in der Innenstadt der belgischen Stadt Lüttich Handgranaten gezündet und um sich geschossen. Die Zahl der Todesopfer der Schießerei stieg in der Nacht zum Mittwoch auf insgesamt mindestens vier. Wie die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Krankenhausangaben berichtete, starb in der Nacht auf Mittwoch ein erst 17 Monate altes Kleinkind an seinen schweren Verletzungen. Außer dem Kleinkind starben auch zwei 15 und 17 Jahre alte Jugendliche sowie der Attentäter selbst. Berichte, auch eine 75-jährige Frau gehöre zu den Opfern, wurden mittlerweile korrigiert: Sie liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Mehr als 120 Menschen wurden ebenfalls verletzt. Mehrere von ihnen befanden sich am Mittwochmorgen noch in kritischem Zustand, darunter ein 20-Jähriger, der schwere Hirnverletzungen erlitten hatte. Viele der Opfer seien von Geschossen oder Splittern verletzt worden, hieß es. Am Schluss tötete der Täter sich selbst - möglicherweise unabsichtlich, wie der Lütticher Staatsanwalt Cédric Visart de Bocarmé der belgischen Nachrichtenagentur Belga sagte.

Wie die Lütticher Staatsanwältin Danièle Reynders mitteilte, war der 33-Jährige Täter wegen seiner Gewaltdrohungen polizeibekannt. Nach Angaben der Justiz war der Täter im September 2008 wegen Besitzes von einem Dutzend Waffen und dem Anbau von 2800 Cannabis-Pflanzen zu 58 Monaten Haft verurteilt worden. Im Oktober 2010 wurde er jedoch vorzeitig auf Bewährung entlassen. Am Dienstag sollte er zu einer Anhörung bei der Polizei erscheinen, tauchte dort aber nicht auf. Er sei ein Einzeltäter gewesen, ein terroristischer Hintergrund werde ausgeschlossen, teilten die Behörden mit.

Der Täter warf Handgranaten

Der Anschlag ereignete sich gegen Mittag auf einem zentralen Platz in der Innenstadt, gleich neben einem Weihnachtsmarkt. Der Täter warf nach ersten Erkenntnissen mehrere Handgranaten auf eine Bushaltestelle, an der viele Menschen warteten, dann schoss der 33-Jährige auf die Wartenden. Das belgische Fernsehen zeigte Bilder von Passanten, die voller Panik davonliefen und sich in Geschäfte flüchteten. Geschäftsleute verbarrikadierten ihre Läden. Nach Angaben von Ärzten schwebten einige der Verletzten in Lebensgefahr, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Viele der Opfer seien von Geschossen oder Splittern verletzt worden. Ein Großteil sei um die 20 Jahre alt.

Eine angebliche Verfolgungsjagd mit zwei weiteren Tätern dementierten die Justizbehörden am Nachmittag. Die Situation in der Lütticher Innenstadt war laut Polizei nach etwa drei Stunden, gegen 15 Uhr, wieder unter Kontrolle.

Trauer in Belgien

Nach den blutigen Ereignissen herrscht in Belgien Trauer. Der belgische Premierminister Elio Di Rupo besuchte ebenso wie König Albert II. und seine Frau den Tatort. „Das ganze Land teilt Ihren Schmerz“, sagte Di Rupo an die Adresse der Familien der Opfer. Er betonte, es habe sich um einen Einzeltäter und nicht um Terrorismus gehandelt. Auch der Lütticher Bürgermeister Willy Demeyer sprach von einer „Einzeltat, die tiefe Betroffenheit im Herzen der Stadt gesät hat.“ Die Regierung setzte ein Sondertreffen der Minister für Mittwochmorgen an.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Abend in Berlin: „Wir trauern mit Belgien um die Opfer dieses Verbrechens. Den Angehörigen und Freunden gilt unser Mitgefühl, und den Verletzten wünschen wir baldige Genesung.“ Führende EU-Politiker sprachen ebenfalls ihr Beileid aus.

Ein Amateurvideo zeigt aus der Vogelperspektive wie die Menschen offenbar nach den Explosionen den Platz verlassen und immer mehr Einsatzfahrzeuge eintreffen:

(dpa, AFP)

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