Bluttat in Tessin : Auf Motivsuche

Auf der Suche nach dem Grund für die brutale Tötung eines Ehepaars in Tessin durch zwei 17-Jährige hat das Landeskriminalamt die Computer der Schüler ausgewertet. Die Mitschülerin, die als Geisel genommen worden war, will bei Stern-TV auftreten.

Schwerin - Geprüft wurde unter anderem, ob sich auf den Festplatten Gewaltspiele oder -videos befinden. Zum Ergebnis wurden jedoch keine Angaben gemacht. Während die Staatsanwaltschaft in Schwerin nichts mehr zum Stand der Ermittlungen sagen will, geht das Mädchen, das von den Jungen bei ihrem Fluchtversuch nach der Tat am Samstag als Geisel genommen worden war, an die Öffentlichkeit. Im Fernsehmagazin "Stern TV" will sich die Schülerin am späten Mittwochabend äußern.

Der Schweriner Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick äußerte sich kritisch zu dem geplanten Fernsehauftritt, sagte aber: "Man kann es dem Mädchen nicht verbieten."

Gefesselt im Schuppen

"Die 15-jährige Eyleen kannte die beiden Täter zwar aus der Schule. Doch vieles, was jetzt in der Presse über sie zu lesen ist, stimmt nicht", heißt es auf der Internetseite von "Stern TV". Die Mitschülerin der beiden geständigen Jungen soll laut Staatsanwaltschaft den Abend bis zur Tat mit den 17-Jährigen verbracht haben. Medienberichten zufolge ist sie zunächst freiwillig mit ihnen mitgegangen, wurde vor dem Angriff auf das Ehepaar jedoch gefesselt in einen Schuppen gesperrt. Nach der Tat hielten die Jungen das Mädchen etwa eine Stunde im gestohlenen Auto des toten Ehepaars gefangen, ehe die Polizei sie zum Aufgeben bewegen konnte.

Staatsanwalt Pick erklärte, bis zur Gerichtsverhandlung keine Angaben zu den Ermittlungen mehr zu machen. Auch wenn ein Motiv für die Tat in dem 200-Einwohner-Dorf gefunden werden sollte, werde dies nicht an die Öffentlichkeit gegeben. "Es handelt sich bei den Tatverdächtigen um Jugendliche, da wird die Hauptverhandlung von Gesetzes wegen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Deshalb wird es vorher auch keine Auskünfte zum Motiv oder zu Zeugenaussagen geben." So solle auch eine Vorverurteilung in der Öffentlichkeit verhindert werden.

Computerspiel als Vorbild?

Nach einem Bericht des Radiosenders Antenne Mecklenburg-Vorpommern soll bisher nur einer der beiden Gymnasiasten, die in der Jugendhaftanstalt Neustrelitz in Untersuchungshaft sitzen, Auskunft zum Geschehen gegeben haben. Der andere schweige zu den Einzelheiten der Tat, die aber beide bereits am Sonntag gestanden hatten.

Es verdichten sich die Hinweise, dass sich die beiden Schüler bei der Tötung eines Ehepaares von der Handlung in einem Computerspiel leiten ließen. Wie der Rundfunksender Ostseewelle unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete, verlangten die beiden Angreifer von dem 46-jährigen Familienvater Unterwerfungsgesten, bevor sie auf den niederknienden Mann einstachen und ihn umbrachten. Solche Szenen gebe es auch in einem Computer-Spiel wie in einem dazugehörigen Gewalt-Video. Dem Mann seien 66 Stiche zugefügt worden. Zuvor sei es ihm noch gelungen, einem der 17-jährigen Angreifer ein Messer zu entwinden. Auch die Ehefrau starb bei dem Überfall am Samstag. (tso/dpa)

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