Welt : Bob Dylan: Neue Publikationen über den ewigen "Jokerman"

R.S.

Another Side Of Bob Dylan? Beim Durchblättern neuer Publikationen über Bob, den ewigen "Jokerman", befällt einen eine seltsame Unruhe. Gibt es wirklich was Neues? Oder will man nicht in Wahrheit die alten Weisheiten gut verpackt wiederfinden, so wie man im Dylan-Konzert die Standards - und ihre Mutanten - herbeifürchtet? Die Schweizer Zeitschrift "du" feiert im Mai 60 Jahre Dylan und 60 Jahre "du". Das Heft (Nr. 217, 20 DM) trägt den Untertitel "Bob Dylan. Der Fremde", aber das ist nur ein netter Trick. Kennen wir doch (fast) alles schon, ist aber trotzdem schön - auch die Aufnahme von Dylans Auftritt vor dem Papst, 1997 in Bologna (Foto: AP/Luca Bruno). Der international führende Dylan-Kabbalist Greil Marcus ist mit einer Laudatio aus dem Jahre 1997 vertreten, als Dylan den "Dorothy und Lilian Gish Prize" erhielt. Diese Auszeichnung bekommt nur ein Künstler, der "auf hervorragende Weise zur Schönheit der Welt beigetragen hat". Dem hat Marcus, wie mitgeteilt wird, heute nichts hinzuzufügen. Ru Thiessen erforscht den "Mann mit den Masken", Diedrich Diederichsen den Musik-Video-Pionier, und Klaus Theweleit analysiert die Frauen in Dylans Liedern. Sehr locker, sehr komisch und wie die meisten Texte über Dylan autobiografisch. Dylan "altert gut, weil er nie jung war", konstatiert die Redaktion: eine hervorragende Theorie, bis man umblättert und die Bilder des Fotografen Elliott Landy betrachtet: Dylan und family, Frau Sara und drei Wickelkinder in Woodstock, New York. Country-Glück: Man glaubt, den Sound der "Basement Tapes" zu hören, Dylan und The Band, das kleinere, bessere Woodstock, allemal. Eine Trouvaille ist Sam Shepards Minidrama "True Dylan". Der Schauspieler und Dramatiker, Autor des "Rolling Thunder Logbook" der "Hurricane"-Tour von 1976, zeigt uns Dylan, den Schweiger, der auch dann nichts sagt, wenn er mal ins Plaudern gerät, über Frauen, Engel oder auch James Dean.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben