• Bocholt: Angeklagter schildert unter Tränen tödliche „Cold Water Challenge“

Bocholt : Angeklagter schildert unter Tränen tödliche „Cold Water Challenge“

Es sollte ein lustiges Video fürs Internet werden - doch dann passierte ein tödliches Unglück. Nun ist die missglückte „Cold Water Challenge“ eines Kegelvereins ein Fall für die Justiz.

Feuerwehrleute versuchen einen Radlader zu bergen, der am 29.07.2014 auf einem Feld in Isselburg (Nordrhein-Westfalen) liegt. Ein tödlich verlaufender Video-Dreh für die Internetaktion "Cold-Water-Challenge" bringt zwei Männer aus dem Münsterland vor Gericht. Am Freitag beginnt in Bocholt der Prozess.
Feuerwehrleute versuchen einen Radlader zu bergen, der am 29.07.2014 auf einem Feld in Isselburg (Nordrhein-Westfalen) liegt. Ein...Foto: dpa

Vor mehr als einem Jahr kippte ein Bagger bei einer missglückten „Cold Water Challenge“ um und tötete einen Familienvater - unter Tränen hat der angeklagte Fahrer jetzt das Unglück geschildert. Der Teleskoplader sei mit der Schaufel voran in die Gruppe seiner Kegelfreunde gestürzt, sagte er am Freitag vor dem Amtsgericht Bocholt. Er habe aus der Fahrerkabine mit ansehen müssen, wie Mütter mit Kindern flüchteten - und wie ein Freund erschlagen wurde. Während seiner Aussage rang der 37-Jährige minutenlang um Fassung.

Der Kegelclub hatte im Juli 2014 in Isselburg im westlichen Münsterland filmen wollen, wie aus einem Teleskoplader Wasser über die Gruppe geschüttet wird. Mit 1800 Litern war das Fahrzeug aber überladen und kippte vornüber auf die Kegelgesellschaft. Ein 34-jähriger Familienvater wurde von der Baggerschaufel erschlagen, weitere Männer wurden verletzt. Mit der Frau seines getöteten Kegelbruders sei er immer noch gut befreundet, sagte der 37-Jährige. Die Witwe und auch die verletzten Kegelbrüder hätten ihm nie Vorwürfe gemacht. Angeklagt ist auch der 51 Jahre alte Besitzer des Fahrzeugs. Beiden Männern wirft die Anklage fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor.

Der Besitzer des Fahrzeugs steht im Verdacht, den Fahrer nicht ausreichend eingewiesen zu haben. Außerdem habe ein Signal, das den Fahrer vor einer Überladung der Schaufel warnen sollte, nicht funktioniert. Bei der „Cold Water Challenge“ hatten sich Vereine gegenseitig aufgerufen, etwas mit kaltem Wasser zu veranstalten und das Ganze möglichst witzig auf Video festzuhalten. Wer sich dem Wettstreit nicht stellen wollte, sollte den Verein, von dem er nominiert wurde, zur Grillparty einladen. (dpa)

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