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Bodenfelde : Ermittler sehen Potenzial zum Serienmörder

Der Doppelmord an der 14-jährigen Nina und dem 13 Jahre alten Tobias aus Bodenfelde ist nach Angaben der Ermittler aufgeklärt. Noch heute könnte es ein Geständnis des 26-jährigen Tatverdächtigen geben.

Der mutmaßliche Mörder der 14-jährigen Nina und des 13-jährigen Tobias aus Bodenfelde hat offenbar auch im Internet versucht, Kontakte mit jungen Mädchen zu knüpfen. In mehreren sozialen Netzwerken im Internet präsentiert sich der seit 2003 Arbeitslose als „stolzer Arbeitslohser“ oder „Rentner“ aus der „Weltstadt Uslar“. In Einträgen auf seiner Seite fragt er, ob Mädchen zwischen 10 und 16 Jahren Interesse haben „zu chaten und vielleicht mehr“. Außerdem fragte er bereits am 15. Juni 2009: „welches girly will mehr als nur quwatschen.“ In dem Gästebuch auf den Seiten befinden sich bereits Kommentare, in denen er als „scheiß Kindermörder“ oder „Bastard“ beschimpft wird.

Nach der Aufklärung der Doppelmorde im niedersächsischen Bodenfelde erwartet die Polizei nun ein Geständnis des 26-jährigen mutmaßlichen Täters. Staatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner sagte am Mittwoch in Northeim, dass der Verteidiger des 26-Jährigen dies angekündigt habe. Bislang hatte Jan O. zu den Vorwürfen geschwiegen.

Möglicherweise könnte das Geständnis noch am Mittwoch erfolgen. Dem Nachrichtensender N24 sagte der Leiter der Polizeiinspektion Northeim, Hans Walter Rusteberg: „Wir gehen davon aus, dass er im Laufe des Tages oder morgen früh ein Geständnis ablegen wird.“ O. war am Montagabend gegen 20.10 Uhr in einem Zug in Bodenfelde festgenommen worden. Bei seiner Festnahme hatte laut dem Leiter der Mordkommission, Hartmut Reinecke, Verletzungen an beiden Händen und trug links einen Verband. Die Behauptungen des 26-Jährigen, er habe sich an einer Flasche verletzt und sich in einem Göttinger Krankenhaus behandeln lassen, hätten rasch widerlegt werden können.

Die Verletzungen stehen den Ermittlungen zufolge im Zusammenhang mit dem brutalen Vorgehen des Verdächtigen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden zudem blutverschmierte Kleidungsstücke gefunden. Die 14-jährige Nina und der 13 Jahre alte Tobias sind offenbar auf besonders grausame Weise umgebracht worden. Jan O. habe beide Opfer durch eine „Kombination aus Erwürgen und Erstechen“ getötet, sagte Kriminaldirektor Andreas Borchert. „Die Details erspare ich mir“, fügte er hinzu. Er betonte erneut, dass es sich bei der Tat nicht um ein Sexualdelikt gehandelt habe, obwohl die Leichen teilweise entkleidet waren.

Vermutlich habe der Täter die Jugendlichen entkleidet, um sie besser betrachten zu können, sagte Borchert. Laut Polizei stimmen der Fundort der Leichen mit dem Tatort überein. Es gebe offenbar keine Bezüge zum Fall des verschwundenen elfjährigen Mirco aus Grefrath in Nordrhein-Westfalen. Auch standen Opfer und Täter in keinerlei Verhältnis. Jan O. suchte die beiden Jugendlichen offenbar wahllos aus.
Nach den beiden Morden hatte der mutmaßliche Täter möglicherweise bereits ein drittes Opfer im Visier. Der 26-jährige Jan O. habe am Sonntagabend ein weiteres Mädchen auf einem Parkplatz angesprochen, sagte Reinecke. Die Polizei sprach von einem „Anbahnungsversuch“. Borchert sprach sogar davon, dass Jan O. „das Potenzial zum Serienmörder“ habe.
Der 26-Jährige war nach Aussage des angesprochenen Mädchens alkoholisiert. Er habe Handynummern austauschen wollen. Das Mädchen sei jedoch geschickt gewesen und habe nur nach seiner Handynummer gefragt. Über Internetrecherchen eines Kripobeamten ergab sich dann ein Tatverdacht gegen den Mann aus Uslar. „Wir sind absolut sicher, dass wir die richtige Person haben“, sagte Reinecke. Das Motiv könnte nach Angaben von Borchert „Mordlust“ gewesen sein.
O. ist laut Polizei wegen Diebstahls vorbestraft und stand bei der Tat unter Bewährung. Seit 2003 ist er arbeitslos und hat Alkohol- und Drogenprobleme. Seine vorherigen Straftaten hätten jedoch nicht auf derartige Gewaltdelikte hingedeutet. Auf einen Bezug zu jungen Mädchen sei man erst durch den weiteren Kontaktversuch am Sonntagabend auf dem Parkplatz gekommen.
Gegen Jan O. war am Dienstagabend Haftbefehl erlassen worden. Die Leichen der Ermordeten waren am Sonntag in einem Waldstück in Bodenfelde in Südniedersachsen gefunden worden. Die 14-Jährige war Anfang der Woche von zu Hause weggelaufen und galt seitdem als vermisst. Sie wurde laut den Ermittlungen am Montagabend vergangener Woche getötet und Tobias am Samstagabend. (dapd)

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