Welt : Bodyguard inklusive

Potsdam bekommt eine Nobel-Kita. Die Zielgruppe: Gutverdienende mit wenig Zeit für den Nachwuchs

Imke Hendrich[dpa]

Potsdam - Es wird eine Luxus-Kindertagesstätte mit Sauna, Fitness-Saal und Bodyguard: „Spätestens im Herbst soll in der Villa Ritz in Potsdam der dreisprachige Kindergarten eröffnen“, sagte Mitinitiator Stephan Knabe am Dienstag. Auf rund 500 Quadratmetern in unmittelbarer Nähe der Villen von Günther Jauch und Wolfgang Joop sollen in Brandenburg dann 50 Kinder im Alter bis zu sechs Jahren spielen, singen, basteln und toben können – und das theoretisch 24 Stunden lang.

„Die Kernöffnungszeiten sind von 6 Uhr bis 22 Uhr, aber wir werden auch sechs Übernachtungsplätze einrichten“, sagte Knabe. Kosten für die Unterbringung: Grob geplant sind 500 bis 1000 Euro monatliche Grundgebühr.

„Wir sind die Alternative zum privaten Kindermädchen“, sagte Knabe. So sollen die Kleinen auf Wunsch der Eltern abgeholt und wieder nach Hause gebracht werden. Ein Bodyguard sorgt für die Sicherheit der Kinder, die auch aus Prominenten-Familien kommen könnten. Etwa 20 Anfragen gebe es bereits, erklärte der Mitinitiator. „Unser Angebot richtet sich an alle Berufsgruppen, denkbar ist aber vor allem, dass sich Schauspieler, Investmentbanker oder auch IT-Berater und Diplomaten angesprochen fühlen“, meinte der Wirtschaftsprüfer – eben Gutverdienende, die nicht so viel Zeit für ihren Nachwuchs haben.

Allerdings schränkt Knabe ein: „Sobald wir merken, dass ein Kind nur abgeschoben wird, werden wir dem einen Riegel vorschieben.“ So solle es ein gewisses „Übernachtungs-Budget“ geben. „Denn wir sind kein Internat, die Kinder sollen weiter zu Hause leben.“ Zumindest tagsüber wird ihnen aber eine Rundum-Betreuung durch zehn Erzieher geboten – mit Musik, Tanz oder auf Wunsch etwa auch Reitunterricht. Und diese Angebote sollen auch gleich mehrsprachig vermittelt werden: Auf Deutsch, Englisch sowie laut Knabe Spanisch oder Chinesisch.

„Unser Konzept ist die anschauliche Pädagogik“, sagte Raymond Wagner ebenfalls von der „Villa Ritz GmbH“, die die Kita betreiben wird. So werde es monatlich wechselnde „Themenparks“ geben, für die die Gruppenräume in eine Wüstenlandschaft, einen Dschungel oder beispielsweise ein Raumschiff verwandelt werden. „Die Kinder sollen mit allen Sinnen diese Welten erfahren können.“ Aber, so betonten die Initiatoren: „Wir wollen hier keine Elite heran züchten, sondern die Eltern entlasten und die Kinder natürlich auch fördern.“ Die Stadt Potsdam begrüße das Konzept, sagte Jugendamtsleiter Norbert Schweers. Die Villa Ritz, einst als Standesamt genutzt, habe länger leer gestanden und solle nun per Erbbaupacht an die Gesellschaft gehen.

Bevor die Luxus-Kindertagesstätte eröffnet wird, müssen laut Knabe aber noch bis zu 500 000 Euro in die Sanierung und Umgestaltung investiert werden. „Wir rechnen in Kürze mit der Baugenehmigung.“ Ein Projekt wurde allerdings schon gestrichen: der ursprünglich geplante Swimmingpool. „Die Bäderordnung ist dafür zu streng“, sagte Knabe bedauernd.

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