Bohrloch im Golf von Mexiko : Wenn der Druck nachlässt

Das Bohrloch im Golf von Mexiko soll zunächst geschlossen bleiben, wenn das neue Auffangsystem dichthält. Das erklärte BP am Sonntag. Bekommt der Konzern die Ölpest nun endlich in den Griff?

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Dieser Erfolg ist keine Dauerlösung. Sondern nur eine Unterbrechung der hässlichen Bilder. Seit Donnerstag, dem 87. Tag nach der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“, zeigen die Aufnahmen der Unterwasserkameras um das Unglücksbohrloch: Hier fließt kein Öl mehr ins Meer. Das neue Auffangsystem hält dicht. Das Ende der Ölpest ist das aber nicht. Die Drucktests im Inneren liefern doppeldeutige Ergebnisse: Sie sind niedriger als erwartet. Daher ist nicht auszuschließen, dass irgendwo weiter Öl und Gas austreten. So ordnete Admiral Thad Allen, der Ölkrisenmanager der Regierung Obama, an, die Messungen vorerst fortzusetzen. Unklar ist, für wie lange.

Am Sonntag schien es, als seien sich Allen und BP nicht ganz einig, wie es danach weitergehen soll. Allen kündigte an, nach Ende der Tests „beginnen wir sofort wieder mit dem Abpumpen“. Das würde bedeuten, dass Amerika erneut Bilder von ausströmendem Öl sieht. Für die Umstellung von Druckmessung zu Abpumpen müssen die Ingenieure die Ventile, durch die Öl austritt, öffnen. Der BP-Manager Doug Suttles sagte, das Bohrloch bleibe bis auf Weiteres geschlossen. „Es gibt augenblicklich kein Datum, wann es wieder geöffnet werden soll.“

Die Messungen sollen Aufschluss geben, ob die Wände des Bohrlochs dicht sind oder bei der Explosion am 20. April Risse erlitten haben. Die Grundannahme lautet: Das Macondo-Ölfeld tief unter dem Meeresboden steht unter hohem Druck. Nachdem BP die neue, abgedichtete Auffangglocke auf den „Blowout Preventer“ an der Spitze des Bohrschachts gesetzt hatte, hätte der Druck innen langsam ansteigen müssen auf deutlich über 6000 psi (pounds per square inch); das entspricht etwa 414 Bar. Ein Wert deutlich unter 6000 psi wäre ein klares Zeichen, dass die Einfassung des Bohrlochs undicht ist und Öl und Gas in das umliegende Gestein entweichen. Beruhigend wären nach Auskunft der Experten Druckmessungen von 7500 psi und höher. In mehreren Versuchsreihen wurden jedoch nur 6745 psi gemessen.

BP sagt, die Zahl belege, dass der Bohrschacht keine Risse aufweise. Parallel seien seismische Messungen vorgenommen worden sowie Ultraschallaufnahmen. Sie hätten Anzeichen geliefert, falls sich Öl und Gas unter Druck einen Weg ins Freie suchen. Der moderate Druckwert sei also nicht Folge von Lecks. Sondern nachdem das Öl drei Monate lang ungehindert ins Meer fließen konnte, sei die Lagerstätte stärker geleert als angenommen – daher lasse der Druck nach.

Die gesammelten Daten helfen laut Admiral Allen bei künftigen Entscheidungen. Man wisse nun, dass man das Bohrloch verschließen könne, wenn zum Beispiel ein Hurrikan das Abpumpen des Öls in Tankschiffe unterbricht. Die Pläne zum dauerhaften Verschließen des Bohrloch von innen setzen weiter auf Entlastungsbohrungen von der Seite. Diese sollen ihr Ziel Ende Juli erreichen. Viele Jahre wird es freilich dauern, die Umweltschäden durch die Ölpest zu beseitigen.

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