Welt : Bombe in Hannover entschärft

Hannover - Wegen eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg ist am späten Dienstagabend die gesamte Innenstadt von Hannover evakuiert worden. Riesige rote Überseecontainer bilden einen schützenden Halbkreis um eine weiße Plastikplane am Boden. Darunter liegt die Zehn-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

„Ich liebe das Abenteuer“, scherzt Udo Stuck fünfzig Meter weiter. Der 57-Jährige lehnt an einem Stehtisch vor seiner Stammkneipe und nimmt einen Schluck aus seinem Glas. „Ich kann doch meinen Wirt nicht alleine lassen“, sagt er. „Wenn man in so einer zerbombten Stadt wie Hannover lebt, muss man immer mit so was rechnen“, meint seine Tischnachbarin. Dann brechen die beiden auf, es ist kurz vor 21 Uhr, in einer Stunde wird die Gegend geräumt. Erst um vier Uhr morgens gibt die Feuerwehr Entwarnung. Spezialisten haben den Blindgänger entschärft. Das war allerdings nicht ganz einfach, weil der Zünder verrostet war. Dennoch hatten sich die Experten für eine Entschärfung entschieden.

Hunderte Helfer haben die Bewohner der Innenstadt zuvor aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. In der Gefahrenzone liegen das Rathaus, der Landtag, Restaurants und das Rotlichtviertel. Die Polizei klappert die Türen ab, rund 9000 Menschen müssen ihre Häuser verlassen. Hotels quartieren ihre Gäste aus. Staatsoper und Schauspielhaus brechen Proben ab. Die NordLB schickt Wertpapierhändler und Sicherheitskräfte früher nach Hause. Das Diakoniekrankenhaus Friederikenstift und der Hauptbahnhof bleiben von der Evakuierung verschont.

Die Einsatzkräfte funktionieren ein Schulgebäude in der Gustav-Bratke-Allee zu einem Notquartier um, mehrere hundert Feldbetten stellen sie in die Klassenzimmer. Mitten in diesem Tumult sitzt Dietlinde Gatzke aus der Calenberger Straße mit ihren Nachbarn auf einer Bierbank und trinkt ganz entspannt einen Kaffee. „Ich bin in Hannover geboren und habe schon mehrere Bomben erlebt“, sagt die 77-Jährige. dpa

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