Borneo : Die Umwelt der anderen

Der Regenwald auf Borneo schützt das Weltklima, zu seiner Erhaltung muss vor allem die lokale Bevölkerung beitragen. Doch die Umstellung fällt nicht leicht.

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Die Entwaldung auf Borneo setzt nicht nur den Menschen zu, auch die Orang-Utans leiden. Bis zu 9000 von ihnen leben im Sebangau-Nationalpark. Früher konkurrierte die Lokalbevölkerung mit ihnen um Lebensraum und Nahrung - heute wird versucht, mit ihrer Hilfe Touristen zu locken. Schließlich können die Bewohner Borneos den Wald nicht mehr wie früher als Wirtschaftsfaktor zu nutzen, zu immens...Weitere Bilder anzeigen
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06.05.2012 17:05Die Entwaldung auf Borneo setzt nicht nur den Menschen zu, auch die Orang-Utans leiden. Bis zu 9000 von ihnen leben...

Er arbeitet immer tagsüber, draußen – und doch im Dunkeln. Mit ruckartigen Bewegungen führt Nooran seine Machete, entfernt Stacheln von den Rattantrieben und dann die Triebe selbst von den Palmen. Die Vegetation aus Blättern, Lianen und Baumkronen ist so dicht, dass nur einzelne Sonnenstrahlen durchkommen. Das Dorf Jahanjang, Provinz Zentralkalimantan, Borneo, Indonesien: Ein Ort, in den keine Straße führt, sondern nur ein Fluss. Ein Ort, der auf den ersten Blick immun gegen Veränderungen scheint. Doch wird von Nooran und den anderen Bewohnern nicht weniger verlangt als wirtschaftlicher Strukturwandel. Sonst droht dem in dieser Gegend alles bestimmenden Torfmoorwald mit seinen gigantischen Mengen an gespeichertem CO2 der Garaus. Und das Weltklima ist auf ihn angewiesen.

Früher war Nooran selbst Teil jenes Problems, dessen Lösung heute die indonesische Regierung und Nichtregierungsorganisationen gemeinsam suchen: Nooran war illegaler Holzfäller. Nachdem weite Teile Borneos – die drittgrößte Insel der Welt – bis Mitte der 90er Jahre durch falsche Landnutzung und die Habgier von Politikern und lokalen Wirtschaftsgrößen planmäßig entwaldet wurden, kam die große Zeit des unkontrollierten Holzeinschlags. Die Torfmoorwälder verschwanden, riesige Feuersbrünste folgten, Waldflächen von der Größe eines Lands wie Portugal wurden innerhalb weniger Monate vernichtet. Rauchschwaden hingen über Jahanjang, viele Dorfbewohner litten an Atembeschwerden. „Dafür habe ich als Holzfäller 30 Euro verdient, pro Tag“, erzählt Nooran, auf einen langen Stab gestützt, eine lange indonesische Gewürzzigarette hängt ihm aus einem Mundwinkel. Heute verdient Nooran 100 Euro im Monat, das ist in etwa der heutige Durchschnittslohn in der Gegend.

2004 entschied sich die indonesische Regierung zum Durchgreifen und gründete den Sebangau-Nationalpark, dessen Grenze unweit des Flusses beginnt. Der WWF begann mit der Hilfe von Sponsoren – zunächst die Post, später Krombacher – degradierte Flächen wieder aufzuforsten, Ranger wurden eingestellt, rigide Gesetze erlassen und hohe Strafen gegen illegale Holzfäller verhängt. Die Waldrodung ging seither stark zurück, doch damit sanken auch die Chancen für Menschen wie Nooran, schnelles Geld zu verdienen. „Ich habe sieben Kinder, die wollen alle essen“, sagt er.

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