Brände in Kalifornien : Mit dem Wind kommt die Gefahr

Die Großbrände bei Los Angeles sind weitgehend unter Kontrolle. Aber wie sicher ist die Stadt?

Rita Neubauer

San FranciscoNur einer von drei Großbränden wütete am Montag noch. „Die Santa-Ana-Winde haben nachgelassen“, erklärte Terry DeJournett, der Feuerwehrchef, gegenüber der „Los Angeles Times“. Die gefürchteten Winde, auch „Teufelswinde“ genannt, hatten den Feuersturm im Süden Kaliforniens entfacht, der mindestens 800 Häuser zerstörte und tausende Menschen in die Flucht und in Notunterkünfte trieb. Ursache für die Brände ist wahrscheinlich Brandstiftung.

Während am Montag rund 2000 Soldaten und Feuerwehrleute in Sylmar und Umgebung weiterhin gegen die Flammen kämpften, schnüffelten Suchhunde durch die Trümmer des Oakridge Mobile Home Parks in dem dicht besiedelten Vorort von Los Angeles.

Dort brannten fast 500 Mobilbehausungen nieder. Zahlreiche Autos stehen verkohlt vor den Trümmern der Häuser. Nun sollen die ersten Bewohner zurückkommen dürfen. Diejenigen, deren Wohncontainer noch stehen. Doch auch die anderen drängen zurück – aus Verzweiflung und in der Hoffnung, irgendein Erinnerungsstück zwischen den Ruinen zu finden. Gouverneur Arnold Schwarzenegger strengte nun erneut eine Diskussion über die Baustandards dieser Siedlungen an, die es zu Tausenden im ganzen Land gibt.

Denn sie sind oft die ersten, die durch Tornados, Hurrikane oder Feuer zerstört werden. Nicht nur, weil sie aus einfachstem Material errichtet werden, sondern auch, weil die Mobilheime oft eng aufeinander stehen, um möglichst viele in einem Park unterzubringen.

Neben der Leichtbauweise kommt in der Region um Los Angeles noch eine andere Gefahr hinzu. Die Stadt hat ihre Tentakel unaufhaltsam in die sie umgebenden bewaldeten Hügel und Täler ausgestreckt. Jedes Jahr werden mehr und mehr Grundstücke der grünen, leicht entflammbaren Natur abgetrotzt, errichtet die Zivilisation ein Gewirr aus schmalen Strassen, die sich die weiten Hügel hinaufziehen. Im Notfall kann dies zur Todesfalle werden. Rund 40 Prozent der zwölf Millionen Häuser in und um Santa Barbara zum Beispiel finden sich auf Land, das von leicht entflammbaren Bäumen und Sträuchern umgeben ist. Jedes Jahr werden es mehr Häuser. Nach einer Statistik der Feuerwehr wurden in den 60er Jahren rund 100 Häuser durch Brände zerstört. 30 Jahre später waren es mehr als 300. In diesem Jahrzehnt sind es pro Jahr bereits etwa 1500. Doch wer dem urbanen Dschungel von Los Angeles entfliehen und dennoch in der Nähe der Millionenstadt leben will, dem bleibt oft gar nichts anderes übrig. Und oft sind es nicht die Ärmsten, die sich in die schwer zugänglichen Täler und Hügel verirren, sondern die Reichsten und Berühmtesten. Wie Oprah Winfrey, Michael Douglas, Ellen DeGeneres oder Jeff Bridges. Sie alle haben Häuser in Montecito, einer exklusiven, wenn auch keinesfalls protzigen Enklave, versteckt zwischen dem Pazifischen Ozean und den Bergen nahe Santa Barbara gelegen. Auch sie mussten vergangenes Wochenende um ihre Häuser fürchten. Meist sind es nur die Aufseher, die das ganze Jahr über dort präsent sind. 10 000 Menschen leben hier. In Kürze wohl auch Schwarzenegger, der hier ein Grundstück für 4,7 Millionen Dollar erstanden hat. Montecito hatte beim letzten Brand noch mal Glück. Oprahs Villa entging den Flammen, wie sie erleichtert die Zuschauer ihrer Fernsehsendung informierte. Sie selbst war in Chicago. Sie sagte, was sie im Ernstfall zu tun gedenkt: „Wir schnappen die Hunde und ziehen ins Four Seasons in West Lake um, denn dort sind Hunde im Hotel erlaubt.“

Fotos im Internet unter:

www.tagesspiegel.de/weltspiegel

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