Brand in Sachsen-Anhalt : Neun Obdachlose umgekommen

Beim Brand in einer Obdachlosenunterkunft in Sachsen-Anhalt sind neun Menschen ums Leben gekommen. Die Brandursache ist noch unklar. Ursprünglich ging die Feuerwehr von zehn Toten aus.

Halberstadt - Bei einem verheerenden Brand in einer Obdachlosenunterkunft in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) sind am Freitag neun Menschen ums Leben gekommen. Fünf Bewohner wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, sagte Polizeisprecher Ulrich Wagner. Es bestehe jedoch keine Lebensgefahr. Bei den Todesopfern handelt es sich nach ersten Erkenntnissen ausschließlich um Männer. Die Ursache des Brandes war zunächst unklar. Laut Polizei gab es aber keine Hinweise auf einen Anschlag. In dem Quartier waren zur Zeit der Katastrophe 15 Menschen gemeldet. Eine solche Tragödie hat sich zuletzt vor zehn Jahren ereignet: 1995 starben bei einem Feuer in einer städtischen Unterkunft in Detmold (Nordrhein-Westfalen) ebenfalls neun Menschen.

Ursprünglich war die Polizei von zehn Todesopfern ausgegangen. Die Einsatzkräfte hatten zunächst auch einen verkohlten Einrichtungsgegenstand für eine Leiche gehalten. Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) ermittelten vor Ort zur Brandursache, teilte die Polizei weiter mit. Es werde Tage dauern, bis die genaue Ursache feststehe. Das Feuer sei mit großer Sicherheit im Inneren ausgebrochen, hieß es weiter.

Die Landesregierung, die Kommune und die Kirche reagierten mit Bestürzung auf die Katastrophe und sicherten Hilfe zu. «Das Mitgefühl gilt den Opfern und den Hinterbliebenen», sagte Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). Jetzt müsse die Brandursache schnellstmöglich geklärt werden. Innenminister Klaus-Jürgen Jeziorsky (CDU) zeigte sich am Katastrophenort erschüttert. Der Einsatz der Rettungskräfte sei reibungslos gelaufen. «Die Helfer kamen schnell, aber leider trotzdem zu spät.»

«Im Augenblick überwiegt Betroffenheit, Trauer und Mitleid, weil es die Ärmsten der Armen getroffen hat», sagte Harald Hausmann, Oberbürgermeister von Halberstadt (parteilos). Er wolle sich gemeinsam mit städtischen Wohnungsunternehmen um eine Unterbringung der Überlebenden kümmern. Kleidung und Nahrungsmittel würden zur Verfügung gestellt. Wegen der großen Hilfsangebote habe die Stadt ein Spendenkonto eingerichtet. Auch die Franziskaner der Wärmestube in Halberstadt waren tief bestürzt. «Viele der Verstorbenen waren regelmäßig bei uns zu Gast», sagte Franziskanerin Marieta Stohldreier. Auch sie bot den Überlebenden Unterstützung an.

Die Flammen hatten sich am frühen Morgen rasend schnell ausgebreitet. Die Feuerwehr war gegen 6.30 Uhr gerufen worden. Sie konnte den Brand den Angaben zufolge zwar schnell löschen, für die neun Männer kam jedoch jede Hilfe zu spät. Wann die Obduktion der Leichen beginnt, war zunächst unklar. Es werde aber lange dauern, bis erste Erkenntnisse zur Identität der Opfer vorliegen, hieß es von der Polizei.

Der Containerkomplex ist abseits an einem Bahngelände der etwa 40.000 Einwohner zählenden Stadt am Rande des Harzes gelegen. Den Unterlagen zufolge waren 15 der insgesamt 24 Plätze belegt. «Die Unterkunft besteht seit 1996, es hat nie Probleme gegeben», sagte Michael Haase vom Ordnungsamt in Halberstadt.

In dem Obdachlosenquartier für Männer sei es immer ruhig, sauber und gepflegt zugegangen. Nach Angaben der Stadtverwaltung wäre die Genehmigung für den Standort im kommenden Jahr ausgelaufen. Es habe deshalb bereits in den vergangenen Wochen Gespräche über eine Sanierung oder einen Ersatz der Container gegeben, sagte eine Sprecherin.

Noch am Vormittag stiegen Rauchschwaden aus den Containern auf, die vollkommen ausbrannten. Einrichtungsgegenstände waren verkohlt, die ursprünglich weißen Fassaden rußgeschwärzt und teilweise eingestürzt. Nach neuesten Angaben der Polizei besteht der 25 Meter lange und zehn Meter breite Komplex aus insgesamt 20 Containern, 16 von ihnen dienten als Wohnstätte und vier als Verbindungsgänge. (tso/dpa)

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