Brand in Titisee-Neustadt : Die Konsequenzen der Katastrophe

Die Menschen trauern in Titisee-Neustadt, wo vor zwei Tagen 14 Menschen bei einem Brand in einer Behindertenwerkstatt starben. Dort sollen alle Sicherheitsvorschriften eingehalten worden sein - Experten warnen jetzt davor, verfrüht die Auflagen zu verschärfen.

Im Münster Sankt Jakobus in Titisee-Neustadt erinnern 14 Kerzen an die Toten.
Im Münster Sankt Jakobus in Titisee-Neustadt erinnern 14 Kerzen an die Toten.Foto: dpa

Zwei Tage nach der Brandkatastrophe mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt in Baden-Württemberg, gedenken zahlreiche Menschen der Opfer. Die Freiburger Erzdiözese richtete auf ihrer Internetseite gemeinsam mit dem Diözesan-Caritasverband ein Trauerportal ein, wo bis zum frühen Morgen knapp 100 Menschen Nachrichten hinterließen. Am Mittwochmittag hielt Dompfarrer Wolfgang Gaber in besonderem Gedenken an die Opfer, ihre Angehörigen und die Helfer eine Messe im Freiburger Münster Unserer Lieben Frau. Am Samstag wird in ganz Baden-Württemberg der Opfer gedacht. Für diesen Tag ist landesweit Trauerbeflaggung angeordnet.

Derweil untersuchen Spezialisten akribisch die Hintergründe der Brandursache. Dabei soll geklärt werden, ob technische Mängel, menschliches Versagen oder gar Vorsatz für die Explosion eines Gasherds verantwortlich seien, teilte die Polizei mit. Nach Angaben des Leiters der Polizeidirektion Freiburg, Alfred Oschwald, arbeitet eine Sonderkommission mit 60 Beamten an der Aufklärung.
Nach derzeitigem Ermittlungsstand spreche alles für ein Unglück, hatte Staatsanwalt Peter Häberle am Dienstag gesagt. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Tat. Dennoch habe die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen unbekannt wegen fahrlässiger Brandstiftung beziehungsweise fahrlässiger Tötung eingeleitet. „Das bedeutet aber nicht, dass fahrlässiges Verhalten vorliegt“, sagte er. Dies zu prüfen, sei Zweck des Ermittlungsverfahrens.
Als Ursache für die Brandkatastrophe gilt eine Verpuffung. In einem Raum der Behindertenwerkstatt habe ein Gasofen gestanden, der mit einer Gasflasche verbunden war, sagte Häberle. Aus bislang ungeklärter Ursache sei das Gas unkontrolliert ausgeströmt, habe sich entzündet und sei verpufft.

Verheerender Brand in Behindertenwerkstatt
14 Kerzen für die 14 Todesopfer stehen am Sonnabend nach der Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt bei der Trauerfeier vor dem Altar.Weitere Bilder anzeigen
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01.12.2012 17:4714 Kerzen für die 14 Todesopfer stehen am Sonnabend nach der Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt bei der Trauerfeier vor dem...

Laut Kreisbrandmeister Alexander Widmaier hat sich der Rauch in dem Gebäude so schnell verbreitet, dass sich viele Menschen nicht hätten retten können. Die Todesursache ist allerdings dem Staatsanwalt zufolge noch nicht bei allen Opfern geklärt. Bei einigen sei hingegen klar, dass sie an einer Rauchvergiftung gestorben seien.

Sowohl die Landrätin Dorothea Störr-Ritter als auch der Vorstand des Caritas-Verbandes Freiburg, Egon Engler, betonten, dass in dem Gebäude alle Sicherheitsvorschriften eingehalten worden seien. Caritas-Präsident Peter Neher wies zudem die Forderung nach Sprinkleranlagen in sozialen Einrichtungen zurück, die zuvor von der Deutschen Hospiz Stiftung geäußert wurden. „Ich denke, zunächst muss man jetzt mal wirklich die Situation genau prüfen und mit so vorschnellen Vorschlägen, da sollte man sich zurückhalten“, sagte Neher am Mittwoch im „Deutschlandfunk“.

Auch Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) hält vor Abschluss der Ermittlungen zur genauen Ursache der Brandkatastrophe Vorschläge für zusätzliche Sicherheitsauflagen für verfrüht. Man werde sich genau anschauen, wenn zu Ende ermittelt wurde, ob auf Basis dieser Erkenntnis weiterer Handlungsbedarf bestehe, sagte der Politiker dem SWR. „Wir sollten uns aber, glaube ich, auch nicht in dem Glauben wiegen, dass solche Ereignisse mit Sicherheit verhindert werden können, wenn wir größere Auflagen machen.“

(dapd)

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