Brandgefährlich : Berühmte Feuerwache Madrids soll Hotelprojekt weichen

Die bekannte Wache in der Calle Imperial soll geschlossen werden; geplant ist der Verkauf des städtischen Gebäudes an einen Hotelkonzern. Diese Aussicht hat Feuerwehrleute in einer ungewöhnlichen Aktion auf die Straße getrieben.

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Mahnwache. Seit Tagen sammeln die „Bomberos“ vor allen zwölf Wachen der Stadt Unterschriften, um den Plan noch zu stoppen. Der Zuspruch ist groß. Foto: Nowakowski
Mahnwache. Seit Tagen sammeln die „Bomberos“ vor allen zwölf Wachen der Stadt Unterschriften, um den Plan noch zu stoppen. Der...

Um die Ecke liegt die Plaza Mayor, das alte Herz der Millionenstadt, und auch die Puerta del Sol, der traditionelle Treffpunkt der Madrilenen, ist keine hundert Meter entfernt. Das ist das Revier der berühmtesten Feuerwache der Stadt, dem „Parque de Bomberos No. 6“. Tag und Nacht wachen die 90 Einsatzkräfte über das historische Zentrum von Madrid – nun aber brennt es bei ihnen selber. Die Wache in der Calle Imperial soll geschlossen werden; geplant ist der Verkauf des städtischen Gebäudes an einen Hotelkonzern.

Es ist keine große Feuerwache, aber eine mit großer Bedeutung. Seit 1884 sitzen die „Bomberos“ hier im engen Gewirr der Altstadt. Deswegen benutzen sie auch schmalere Wagen als die Kollegen in anderen Bezirken, um durch die engen und zu jeder Tageszeit von Menschen bevölkerten Gassen zu kommen. Zu tun ist viel. Ständig kommen Einsatzanrufe. Dann springen die Männer auf und lassen das gerade aufgetragene Essen und das angebrochene Brot stehen. Und auch die beiden Kollegen, die in voller Montur in der Küche stehen, ziehen nur schnell die Töpfe vom Feuer, bevor sie losrennen.

Die Aussicht, dass wegen der notwendigen Sparmaßnahmen der Stadt die Wache geschlossen wird, hat die Feuerwehrleute in einer ungewöhnlichen Aktion auf die Straße getrieben. Sie sammeln seit einigen Tagen Unterschriften vor allen zwölf Wachen der Millionenstadt, um den Plan noch zu stoppen. Denn noch gibt es keinen endgültigen Beschluss, wann die Wache schließen soll. Der Käufer aber hat schon seine Pläne für ein Luxushotel in der alten Wache vorgelegt. Im Ruheraum, während sie auf den nächsten Einsatz warten, reden die Männer eine klare Sprache. Damit werde die Sicherheit in dem am dichtesten besiedelten Gebiet Madrids mit seiner einzigartigen historischen Substanz gefährdet. Das weltberühmte Prado-Museum etwa gehört zu ihrem Bereich, auch der königliche Palast, Kirchen und der Senatspalast. Dazu kommen viele jahrhundertealte Häuser, die wegen ihrer Holzbauweise besonders gefährdet seien, und die vielen Kaufhäuser und Hotels im Zentrum, zählen die Feuerwehrleute auf.

Mit ihrer Aktion haben die Feuerwehrleute einen Nerv getroffen. Ihr Tisch vor der Wache ist ständig umlagert. Denn die Madrilenen sind bereits beunruhigt über den Regierungsplan, die kommunalen Krankenhäuser zu privatisieren, um den Haushalt zu sanieren. Seit Wochen gehen die Mediziner dagegen auf die Straße und prophezeien eine eklatante Verschlechterung der ärztlichen Versorgung insbesondere für chronisch Kranke und Pflegebedürftige. Die Solidarität mit den Bomberos ist auch ein Protest in eigenem Interesse. „Gesundheit darf kein Geschäft werden und unsere Sicherheit auch nicht“, empört sich Dolores Lopez Ortiz, während sie bei den Feuerwehrleuten unterschreibt. Sie schimpft, die Verwaltung sollte erst einmal die großen Dienstwagen einsparen. Es gehe nicht nur um Brände, sondern auch um die vielen Einsätze bei Unfällen, argumentiert Pedro Guiterres. Die Feuerwehrleute haben schon einige tausend Unterschriften gesammelt und hoffen, dass die große Unterstützung der Madrilenen die Stadtverwaltung noch einmal umstimmt. Vor dem Stadtparlament haben sie vor einigen Tagen ebenfalls protestiert: „Feuerwehrleute nicht zu verkaufen“, stand auf ihrem Transparent.

Die Stadträtin für Finanzen und öffentliche Verwaltung, Concepción Dancausa, verteidigt die Umwandlung der Wache in einen Hotelkomplex als „Chance, das touristische Angebot im Zentrum zu vergrößern“. Sie verspricht zugleich, einen „besseren Standort“ für eine neue Wache zu finden. Einen Ort nannte sie nicht. Der sozialistische Abgeordnete Luis Llorente unterstützt die Feuerwehrleute und warnt, die Verlegung sei eine Sache von „Leben retten oder Leben verlieren“. Die Anwohner und die Geschäfte im Notfall zu schützen, sei wichtiger als noch ein weiteres Hotel. Auch die Leitung der Madrider Feuerwehr nannte das Vorhaben „völlig unverantwortlich“.

Manuel Salguero, Einsatzleiter der weiter entfernt liegenden Feuerwache an der Plaza de Toledo, sieht wie seine bedrohten Kollegen vor allem längere Anfahrzeiten bei Einsatz. Er zweifelt daran, dass künftig die Feuerwehrleute wie bisher nach spätestens zehn Minuten am Einsatzort sein werden. Und im Zweifelsfall werden bei gleichzeitigen Notrufen die zentrumsferneren Einsatzorte zurückstehen müssen. „Aber der Haushalt ist offenbar wichtiger als die Sicherheit“, sagt Salguero, vor dessen Wache ebenfalls die Unterschriftenlisten ausliegen.

Domingo Morá, der leitende Offizier der bedrohten Wache, ist nicht einmal grundsätzlich gegen die Schließung. Er verweist auf die notwendigen Investitionen in das alte Gemäuer und hätte gerne eine modernere Wache. Ein leeres Baugrundstück gäbe es auch in der Nähe. Aber ob das Geld für den Verkauf der Wache dann für einen Neubau genutzt wird? Da hat auch Morá seine Zweifel. Dazu gibt es zu viele Stellen, wo es im Etat der am höchsten verschuldeten spanischen Kommune aktuell brennt.

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