Welt : Brandkatastrophe: Lösten Wunderkerzen das Inferno aus?

Thomas Roser

Tiefe Trauer hat das sonst so lebenslustige Touristendorf am niederländischen Ijsselmeer erfasst. "Es ruht kein Segen mehr auf uns," sagt eine Frau vor dem ausgebrannten Lokal am Volendamer Deich. Mindestens 200 Besucher hatten sich in der Neujahrsnacht in dem populären Café "Het Hemeltje" im zweiten Stock des Gaststättenkomplexes "Wir War" gedrängt, um den Jahreswechel ausgiebig zu feiern. Doch als plötzlich die ausgetrocknete Weihnachtsdekoration an der Decke in Flammen aufging, wurde das "Himmelchen" für die Sylvestergäste zur Feuerfalle. In Panik und mit brennenden Kleidern stolperten sie die steile Stiege zum Ausgang hinab, übertrampelten zu Fall Gekommene. Andere eilten in Richtung Dachgeschoss. Doch die Pfeile zum Notausgang führten ins Leere. Denn die Feuertreppe an der Außenseite war wegen eines Umbaus abmontiert. Zehn Personen wurden getötet, weitere zwölf sind so schwer verletzt, dass sie kaum Überlebenschancen haben.

Ein Mann soll in der Bar ein ganzes Bündel von Wunderkerzen angezündet und hoch gehalten haben. Dadurch hätten die trockenen Tannenzweige an der Decke Feuer gefangen, das sich rasend schnell ausbreitete. Diese Version wurde von dem Bar-Eigentümer in einer Stellungnahme verbreitet.

Noch ermittelt die Polizei nach der genauen Brandursache, doch deutlich scheint schon jetzt, dass der Betreiber des Cafés nicht nur wegen der geringen Zahl erreichbarer Notausgänge gegen Brandschutzbestimmungen verstieß. Verwunderlich scheint auch, warum Eigentümer Jan Veerman vor fünf Jahren die Genehmigung erhielt, in dem kleinen Doppelgebäude drei Cafés mit einer Kapazität von 500 Besuchern zu betreiben.

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