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Brandkatastrophe mit 14 Toten : Sonderermittlungsgruppe soll Brandursache in Titisee-Neustadt klären

Nach dem verheerenden Brand in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald will die Polizei die ganze Nacht nach der Ursache des Feuer forschen. Angesichts des immensen Schadens dürfte sich die Suche allerdings schwierig gestalten.

14 Kerzen für die 14 Todesopfer stehen am Sonnabend nach der Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt bei der Trauerfeier vor dem Altar.Weitere Bilder anzeigen
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01.12.2012 17:4714 Kerzen für die 14 Todesopfer stehen am Sonnabend nach der Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt bei der Trauerfeier vor dem...

Nach dem Feuer mit 14 Toten und acht Schwerverletzten in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald hat die Polizei eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Die ganze Nacht über werde nach der Brandursache gesucht, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa. Im Einsatz seien Brandsachverständige und Spezialermittler. Wegen des Feuers und des Rauches habe es im Inneren des Gebäudes in Titisee-Neustadt große Schäden gegeben. Die Spurensuche sei daher schwierig. Ursache und Schadenshöhe seien noch unbekannt.

Die Feuerwehr bleibe die Nacht am Brandort, um ein erneutes Aufflammen des Feuers zu verhindern, sagte ein Sprecher. Zudem werde sie für Aufräumarbeiten eingesetzt. Unterstützt werde die Feuerwehr dabei von Spezialisten des Technischen Hilfswerks (THW).

Das Feuer war am Montag in einer Werkstatt ausgebrochen. Für 120 Behinderte und Betreuer wurde die Werkstatt zur Falle. Unter den Opfern sind den Angaben zufolge ausschließlich Erwachsene. Die Behindertenwerkstatt, die von der Caritas betrieben wird, wurde vorläufig geschlossen. Angehörige und auch die Rettungskräfte sollen in den kommenden Tagen psychologisch betreut werden.

Die Katastrophe hat über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus Trauer und Entsetzen ausgelöst. So drückte etwa EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sein Beileid aus. „Die Neuigkeiten von dem Feuer in der Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt erfüllen mich mit Kummer und Trauer“, ließ Barroso am Montagabend in Brüssel mitteilen. Sein Beileid gelte den Familien und Freunden der Opfer und ganz Deutschland.

Verheerender Brand in Behindertenwerkstatt
14 Kerzen für die 14 Todesopfer stehen am Sonnabend nach der Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt bei der Trauerfeier vor dem Altar.Weitere Bilder anzeigen
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Auch Bundespräsident Joachim Gauck gedenkt der Opfer der Brandkatastrophe im Schwarzwald. „Ich denke an die armen Menschen, die Opfer zu beklagen haben“, sagte Gauck am Montagabend in Duisburg zum Abschluss seines Antrittsbesuchs in Nordrhein-Westfalen. Er habe mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) telefoniert und sein Beileid ausgedrückt, sagte Gauck.

Nach Angaben der Polizei kamen bei dem Feuer 13 Behinderte und eine Betreuungshelferin ums Leben. Zudem wurden acht weitere Menschen verletzt. Ein Polizeisprecher sagte, das Gebäude sei am Montagnachmittag komplett durchsucht worden, nach derzeitigem Stand würden keine Personen mehr vermisst. Der Caritas zufolge entspricht die Brandsicherheit in der Werkstatt nach jetzigem Stand „absolut jeglichen Anforderungen“. Die baden-württembergische Landesregierung sprach Opfern und Angehörigen ihr Beileid aus.

Gegen 14.00 Uhr wurde die Feuerwehr über einen Brandmelder alarmiert. In der Werkstatt sind etwa 120 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung unter anderem in der Metall- und Holzverarbeitung sowie in der Elektromontage beschäftigt. Feuerwehr und Rettungsdienste waren mit einem Großaufgebot im Einsatz, auch zwei Rettungshubschrauber waren am Unglücksort. Angehörige der Opfer werden den Angaben zufolge psychologisch betreut.

Der Polizei zufolge kamen die 14 Menschen vermutlich durch das Feuer oder Rauchvergiftungen ums Leben. Die acht Verletzten erlitten Verbrennungen oder Rauchvergiftungen, sie wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Lebensgefahr besteht den Angaben nach aber nicht. Rund 100 Menschen wurden aus dem brennenden Gebäude gerettet.

Die Ursache für den verheerenden Brand war der Polizei zufolge zunächst unklar. Medienberichten zufolge soll sich in einem Lagerraum im Dachstuhl des Gebäudes eine Explosion ereignet haben. Dies konnte die Polizei auf dapd-Anfrage zunächst nicht bestätigen. Die Feuerwehr war mit schwerem Atemschutzgerät im Einsatz.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Innenminister Reinhold Gall (SPD) machten sich am Montag ein Bild von der Brandkatastrophe. „Das Unglück ist schrecklich für die Betroffenen, für den Ort und für uns alle“, sagte Kretschmann bei einem Besuch in Titisee-Neustadt. Er telefonierte nach eigenen Angaben nach auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Bundesregierung spreche den Angehörigen ebenfalls ihr tiefes Mitgefühl aus. Kretschmann sagte weiter, in Gedanken sei er bei den Opfern. Sein tiefes Mitgefühl gelte ihren Angehörigen, mit denen er Kontakt aufnehmen wolle. „Ganz Baden-Württemberg trauert mit ihnen“, sagte der Regierungschef. Er dankte den Rettungs- und Einsatzkräften für ihren engagierten Einsatz.

In Neustadt im Schwarzwald kam es zu dem verheerenden Brand.
In Neustadt im Schwarzwald kam es zu dem verheerenden Brand.Foto: AFP

Die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) reagierte ebenfalls mit Entsetzen. „Ich spreche allen Angehörigen, Freunden und Verwandten der Toten mein tiefes Beileid aus. Unsere Gedanken sind auch bei den zahlreichen Verletzten“, sagte Altpeter. Sie sprach von einem Tag der Trauer und des Schmerzes über so viele Opfer.

Auch der Caritasverband Freiburg-Stadt zeigte sich entsetzt: „Wir sind völlig fassungslos, wie in einer modernen und gut ausgestatteten Werkstatt am helllichten Tag eine solche Katastrophe passieren kann“, sagte der Stellvertreter des Vorstands, Rainer Gantert, auf dapd-Anfrage. Zur Brandursache konnte Gantert zunächst keine Angaben machen. Die Sicherheitsvorkehrungen entspreche nach jetzigem Stand „absolut jeglichen Anforderungen“, sagte er.

Die Polizei richtete in einer benachbarten Spedition eine Personensammelstelle ein. Dort sollten sich Menschen melden, die zum Zeitpunkt des Brandausbruches im Gebäude waren und noch nicht registriert wurden. (dpa/dapd)

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