Brandkatastrophe von Oakland : Das "Geisterschiff" wurde zur Todesfalle

Eine Technoparty in einem Künstlerhaus in Oakland endet in einer Tragödie. Bei einem Brand sterben mindestens 33 Menschen.

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Das ausgebrannte "Geisterschiff" in Oakland.
Das ausgebrannte "Geisterschiff" in Oakland.Foto: rtr

Eine offene Holzdecke, Teppiche, Gemälde, ein Plüschsofa, Holztruhen, eine Installation aus zusammengenagelten Brettern: Auf Fotos sieht die Inneneinrichtung des Künstlerstudios „Geisterschiff“ im kalifornischen Oakland aus wie das Resultat eines ausgiebigen Flohmarkt-Streifzuges. In der Nacht zum Samstag wurde das idyllische Durcheinander zum Ort des Grauens und das „Geisterschiff“ zur Todesfalle für mindestens 33 Menschen: In dem Studio brach ein Feuer aus, eine Treppe aus Holzpaletten kollabierte, das Dach stürzte ein. Selbst hartgesottene Feuerwehrleute sind angesichts der Tragödie geschockt. Und Amerika fragt sich entsetzt, wie so etwas passieren konnte.

Studios, die wie das „Geisterschiff“ alten Lagerhäusern untergebracht sind, gibt es viele außerhalb der für Künstler unerschwinglich teuer gewordenen Großstädte an der amerikanischen Westküste. Im „Geisterschiff“ sollen mehr als 20 Menschen gelebt haben, obwohl das Gebäude nicht als Wohnhaus zugelassen war und offenbar weder über Feuermelder noch über eine Sprinkleranlage verfügte.

Am Freitagabend veranstaltete das „Geisterschiff“ eine Musiknacht mit mehreren Künstlern und DJs, Eintritt 15 Dollar. Mehr als 50 Menschen sollen schon dort gewesen sein, als das Feuer kurz nach 23 Uhr Ortszeit (10 Uhr MEZ am Samstag) aus bisher ungeklärter Ursache ausbrach. „Es ging alles ganz schnell, aus einem kleinen Chaos wurde ein Riesenchaos“, sagte die Überlebende Aja Archuleta, eine Musikerin, die bei der Veranstaltung auftreten sollte und an der Eingangstür zwei Gäste von einem Feuer sprechen hörte. Vielen Menschen im Obergeschoss wurde der einzige Fluchtweg abgeschnitten, als die improvisierte Holztreppe Feuer fing.

Feuerwehrleute auf dem Dach des abgebrannten "Geisterschiffes".
Feuerwehrleute auf dem Dach des abgebrannten "Geisterschiffes".Foto: rtr

Wie Archuleta war auch Bob Mulé, ein Fotograf und Bewohner des „Geisterschiffes“, unter den mehr als 20 Partygästen, die sich nach draußen retten konnten. Er habe vergeblich versucht, einen Feuerlöscher in Gang zu bekommen, sagte Mulé dem Nachrichtensender CNN. Als ein befreundeter Künstler, der sich bei der Flucht aus den Flammen verletzt hatte, um Hilfe rief, rannte Mulé in Richtung Feuer zurück, um ihm zu helfen. Doch er scheiterte: „Die Flammen und der Rauch waren einfach zu stark“, sagte Mulé unter Tränen. „Ich musste ihn zurücklassen.“

Bis zum Sonntagmittag hatte die Feuerwehr erst rund ein Fünftel des ausgebrannten Gebäudes durchkämmt: Die Experten gingen äußerst langsam vor, weil das „Geisterschiff“ vollständig einstürzen könnte. „Herzzerreißend“ sei die Suche nach weiteren Leichen, sagte Melinda Drayton, Zugführerin bei der Feuerwehr. In ihren fast 20 Jahren im Dienst habe sie noch nie Vergleichbares erlebt. Die Behörden rechneten damit, bei der Durchsuchung auf weitere Todesopfer zu stoßen. Angehörige von Vermissten wurden aufgerufen, Haarproben oder andere Beweismittel für DNA-Test bei der Identifizierung der verbrannten Leichen bereit zu halten.

Noch während die Suche nach der Brandursache lief, machten Berichte über die miserablen Zustände im „Geisterschiff“ die Runde. Die ehemalige Bewohnerin Shelley Mack sagte der Nachrichetnagentur AP, versprochene Verbesserungen in dem Gebäude seien nie ausgeführt worden. Hin und wieder hätten die Bewohner Strom und Wasser von Nebengebäuden für sich abgezweigt. Illegal verlegte Stromkabel seien eine ständige Gefahrenquelle gewesen. Einmal sei ein Stromgenerator in Brand geraten. „Es war eine Todesfalle“, sagte Mack über das Gebäude. Die Besitzer des Gebäudes, ein Ehepaar aus Kalifornien, äußerten sich zunächst nicht.

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