Brandserien : Unruhige Nächte auf Sylt

Nach zwei Brandserien werden die Inselbewohner unruhig. Die Polizei bildet eine Ermittlungsgruppe.

Katja Zeidler,Martin Stralau[Westerland]
Zerstört. Das abgebrannte Schulungszentrum in Westerland. Foto: dpa Foto: dpa
Zerstört. Das abgebrannte Schulungszentrum in Westerland. Foto: dpaFoto: dpa

Ein Polizeiwagen bremst abrupt, wechselt rasant die Fahrtrichtung und verfolgt einen Verkehrsteilnehmer. Für einige Zeugen, die diese Aktion in der Nacht im Westerländer Norden beobachten, ist klar: Die Polizei ist dem vermeintlichen Sylter Feuerteufel ganz dicht auf den Fersen. Die Polizei aber wiegelt ab. „Das war nur eine von zahlreichen Verkehrskontrollen“, sagt Polizeisprecherin Kristin Stielow. „Wir haben keinen konkreten Tatverdächtigen.“

Die Inselbewohner sind unruhig, nachdem es in der Nacht zum Mittwoch erneut an drei Stellen gebrannt hat. Nach der ersten Brandnacht – dort waren an fünf Orten elf Brandherde entdeckt worden – gab es noch die Hoffnung, dass die Gewitter Ursache gewesen seien. Aber nach der zweiten Brandnacht geht die Polizei davon aus, dass ein Brandstifter am Werk ist. Das erste Feuer der zweiten Brandnacht wurde gegen 22 Uhr in einem Kellerraum der Nordseeklinik entdeckt. Hier brannte Papier. „Der Brandmelder hat das Personal früh alarmiert, so dass das Feuer bereits weitgehend gelöscht war, als wir eintrafen“, sagte Wehrführer Jörg Elias der „Sylter Rundschau“. Doch keine Stunde später, um 22 Uhr 55, wurde nur wenige hundert Meter weiter im Heideweg Alarm ausgelöst: Ein Gartenhaus stand in Flammen. Die dreizehn Feuerwehrleute konnten nicht verhindern, dass der Bau sowie die Geräte und Fahrräder darin stark beschädigt wurden.

Um Mitternacht brannte es zum dritten Mal. Diesmal ein Carport im Wenningstedter Weg – wieder ganz in der Nähe der anderen Brandherde. „Plötzlich trommelte mein Nachbar an meine Tür“, sagt Heiko Nissen, dessen Grundstück es diesmal traf. Sein Auto konnte er noch aus dem brennenden Anbau retten, doch sein Motorroller sowie ein Geräteschuppen im hinteren Teil des Carports wurden durch das Feuer zerstört. „Bis die Feuerwehr kam, habe ich wie im Wahn mit Wasser aus meinen Regentonnen gelöscht“, sagt Nissen. Die Situation ging glimpflich aus. „Wäre das Feuer fünf Minuten später bemerkt worden, hätte es womöglich auf das Haupthaus übergegriffen.“

Für die Bewohner der Siedlung „Am Friedrichshain“ ist an Schlaf derzeit kaum mehr zu denken. Bereits in der Nacht zum Montag hatte es in ihrem Wohnviertel mehrfach gebrannt, nun mussten zwei weitere Feuer in der Siedlung gelöscht werden und eines in der angrenzenden Klinik. „Wir sind alle in großer Sorge“, sagt Anwohner und Alt-Bürgervorsteher Peter Schnittgard. „Nicht nur um unser Hab und Gut, sondern in erster Linie um die vielen Familien mit Kindern, die hier leben.“

Neben Anwohnern und Feuerwehr spricht mittlerweile auch die Polizei ganz offen von Brandstiftung, will aber noch das offizielle Gutachten abwarten. Seit gestern gibt es zudem eine Ermittlungsgruppe aus Schutzpolizisten, Kriminalpolizei, der Bezirkskriminalinspektion Flensburg und Polizisten von der Insel, die sich ausschließlich mit der unheimlichen Brandserie beschäftigen. „Eine heiße Spur gibt es aber noch nicht“, sagte Stielow der „Sylter Rundschau“.

Die Gemeindeverwaltung erarbeitete gestern basierend auf den bisherigen Einsätzen einen Notfallplan mit Vertretern von Polizei und Rettungsdiensten. Ordnungsamtsleiter Hans-Wilhelm Hansen: „Es ist wichtig, dass wir sensible Einrichtungen auch bei schwierigen Rettungsverhältnissen schnell evakuieren. Aber so weit kommt es hoffentlich nicht.“

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