Brandstiftung : Von Menschen gemacht

Über 20.000 Brände werden jedes Jahr alleine aus Spanien vermeldet. Und in den seltensten Fällen haben die Brandherde natürliche Ursachen.

Martin Dahms[Madrid],Paul Kreiner[Rom]
Löschflugzeug
Im Einsatz. Die Unachtsamkeit der Menschen fordert viele Opfer. -Foto: dpa

Die verheerenden Waldbrände in Griechenland sind offenbar das Ergebnis fahrlässiger oder gezielter Brandstiftungen, es gibt erste Festnahmen, die griechische Justiz spekuliert gar über „terroristische Akte“. Aber das Problem ist nicht neu. Mit Brandstiftung haben viele südeuropäische Staaten seit Jahren zu kämpfen. Spanien etwa vermeldet pro Jahr rund 20 000 Waldbrände. Nur etwa 3,5 Prozent davon haben eine natürliche Ursache, nämlich Blitzeinschläge. Der Rest ist von Menschen gemacht.

Der irre Pyromane, der sich an der knisternden Hitze erfreut, ist dabei bloß eine Randerscheinung: Nur einer von zehn mit Absicht gelegten Bränden geht auf ihn zurück. Die gefährlichsten Brandstifter sind Landwirte. Sie stecken ein Stück Buschland in Brand, um es in Äcker oder Weiden zu verwandeln. Der oft geäußerte Verdacht, mit dem Abfackeln der Wälder solle illegal Bauland geschaffen werden, geht in die Irre – zumindest in Spanien. Dort verbieten regionale und nationale Gesetze, auf abgebranntem Waldland zu bauen. Zudem sind die spanischen Gemeindeverwaltungen mit ihren Baugenehmigungen nicht zimperlich: Obwohl Spanien ein waldarmes Land ist, erlauben die Behörden neue Wohnsiedlungen auch in Waldgebieten. Die Mühe, den Wald erst in Brand zu stecken, braucht sich auf der Iberischen Halbinsel also niemand zu machen.

Auch in Italien haben nur vier von hundert Bränden natürliche Ursachen, die meisten Feuer werden mit Absicht gelegt. Mal zündeln Schäfer, die ihre Weidefläche vergrößern wollen, mal Waldhüter, die bei schwindenden staatlichen Mitteln wenigstens die Streichung ihres Jobs verhindern wollen. Bauspekulation aber steht in Italien an der Spitze der Brandursachen – gerade an den landschaftlich schönsten Stellen oder Küstenstreifen des Landes. Per Gesetz hat Italien jetzt verfügt, dass abgefackelte Flächen für zehn bis 15 Jahre für jede kommerzielle Nutzung gesperrt bleiben. Die Gemeinden müssen solche Grundstücke in einem „Brandkataster“ erfassen. Dies aber haben bisher erst 24 Prozent getan. Im Rest des Landes haben kriminelle Feuermacher freie Bahn.

In Sizilien etwa, vergangene Woche von den größten Bränden seit langem heimgesucht, hat seit sieben Jahren keine einzige Kommune die abgefackelten Flächen katalogisiert. Regionen im Zentrum und im Norden Italiens, die das Kataster eingeführt haben, verzeichnen dagegen einen drastischen Rückgang der Brände. Politiker schlagen nun vor, die Finanzhilfen für säumige Gemeinden stark einzuschränken und professionelle Waldhüter erst am Ende der Saison zu bezahlen – und zwar nach Erfolg.