Brasilianischer Moderator : Morde für TV-Quote?

Ein brasilianischer TV-Moderator soll mehrere Morde in Auftrag gegeben haben, um mit exklusiven Filmaufnahmen die Einschaltquote für seine "Crime-Show" zu erhöhen. Da er auch als Abgeordneter arbeitet, ist er derzeit noch durch seine Immunität geschützt.

São PauloDer Beschuldigte, Wallace Souza, ist Ex-Polizist und nicht nur Moderator, sondern vor allem einer der populärsten Regionalabgeordneten im Bundesstaat Amazonas. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn auch wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Drogenhandels, Zeugenbestechung und illegalen Waffenbesitzes, wie regionale Medien am Donnerstag berichteten.

Bislang ist der Parlamentarier durch seine Immunität geschützt. 15 mutmaßliche Komplizen, darunter sein Sohn, sitzen dagegen bereits in Untersuchungshaft. Auf Souzas Konto sollen den Angaben zufolge mindestens fünf Morde gehen. In einem Fall soll ein rivalisierender Drogenhändler liquidiert worden sein. Die Vorwürfe basieren auf Zeugenaussagen eines früheren Leibwächters Souzas, der unter Mordverdacht festgenommen wurde. Der unter dem Spitznamen "Moa" bekannte Bodyguard nannte in seiner Vernehmung Details und Namen.

Staatsanwaltschaft unter Polizeischutz

Nach dessen Darstellung waren die Kamerateams von Souzas Sendung "Canal Livre" oft vor dem Verbrechen am Tatort, weil Souza die Morde in Auftrag gegeben habe. Einige der Aufnahmen wurden dann in der Crime-Show gezeigt, die über Verbrechen im Staat Amazonas berichtete. Der Parlamentarier weist alle Anschuldigungen vehement zurück und sieht sich als Opfer eines Komplotts. Mit den Vorwürfen befasst sich auch eine Kommission des Regionalparlamentes.

Die Staatsanwaltschaft, die schon seit Monaten ermittelt, beschuldigt Souza, er habe mit seiner Bande Unsicherheit in der Bevölkerung schüren und die Sicherheitsbehörden demoralisieren wollen, damit er im Netzwerk der Organisierten Kriminalität das Kommando habe übernehmen können. Staatsanwälte und auch Richter stehen nach Medienangaben aus Sicherheitsgründen derzeit unter 24- stündigem Polizeischutz. (sba/dpa)

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