Brasilien : Banden terrorisieren São Paulo erneut

Zum dritten Mal in nur drei Monaten haben organisierte Verbrecherbanden die Millionenmetropole São Paulo vielerorts mit einer Welle gewalttätiger Übergriffe terrorisiert. Dabei starben zwei Menschen.

São Paulo - An mindestens 78 Orten in der Innenstadt und den Vororten griffen Bandenmitglieder am Montag Behördengebäude und Bankfilialen an und setzten Autos in Brand, wie die Polizei mitteilte. Im Einzugsgebiet São Paulos wurden vier Menschen von der Polizei erschossen. Zumindest zwei Täter hatten Brandsätze auf eine Tankstelle geworfen. Die schwersten Auseinandersetzungen zwischen Angreifern und Sicherheitskräften meldete die Polizei rund um ein Ministeriumsgebäude im Stadtzentrum. Dort explodierte ein größerer Sprengsatz.

Auf einem Polizeiparkplatz wurden mehrere Autos in Brand gesetzt. Den Angaben zufolge gingen im Stadtgebiet außerdem 22 Busse bei Angriffen in Flammen auf. Sachschaden entstand unter anderem bei Attacken auf 34 Bankfilialen, zwölf Tankstellen, zwei Supermärkte, drei U-Bahn-Stationen und den Sitz der Finanzverwaltung. Laut Polizei wurden mindestens fünf Angreifer verletzt: einer habe einen Kopfschuss durch einen Polizisten erlitten, vier weitere hätten sich durch Glassplitter in einem Supermarkt verletzt.

Die Polizei machte eine mafiaartigen Gruppierung namens Erstes Hauptstadtkommando (Primeiro Comando da Capital, PCC) für die Taten verantwortlich. Die PCC hatte die Einwohner der größten Stadt Südamerikas bereits vom 12. bis 19. Mai mit einer beispiellosen Gewaltwelle terrorisiert, in deren Verlauf 170 Menschen starben. Zwischen dem 11. und 14. Juli schlug die Gruppe erneut zu, damals kamen neun Menschen ums Leben.

Der Staatsanwalt des Bundesstaats São Paulo, Rodrigo Pinho, stellte die neue Angriffswelle in Zusammenhang mit dem juristischen Vorgehen gegen den inhaftierten PCC-Chef Marcos Camacho. Dieser wurde angeklagt, den Mord an einem Feuerwehrmann im Mai in Auftrag gegeben zu haben. Mit den regelmäßigen Angriffen wollen die PCC-Mitglieder offenbar auch bessere Haftbedingungen für ihre einsitzenden Anführer erreichen. Die Behörden vermuten, dass die Taten aus dem Gefängnis heraus organisiert und kommandiert werden. (tso/AFP)

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