Brasilien : Panzer gegen Drogenbanden in Rio – 34 Tote

Die Polizei will vier Jahre vor der Fußball-WM in Brasilien die Kontrolle über die Slums zurückgewinnen. Am fünften Tag der Auseinandersetzungen gegen die mächtigen Drogenbanden setzten die Behörden nun erstmals auch Truppenpanzer ein.

Am fünften Tag der Auseinandersetzungen setzen die Behörden erstmals auch Truppenpanzer ein.
Am fünften Tag der Auseinandersetzungen setzen die Behörden erstmals auch Truppenpanzer ein.Foto: dpa

Rio de Janeiro - Die brasilianische Polizei hat am Donnerstag erstmals Panzer im Kampf gegen die mächtigen Drogenbanden in den Slums der Millionenmetropole Rio de Janeiro eingesetzt. Sechs der Kettenfahrzeuge mit schweren Maschinengewehren drangen in das Armenviertel Vila Cruzeiro vor, das als eine der Hochburgen der kriminellen Banden gilt. Die Fahrzeuge sind auch mit Maschinengewehren ausgestattet, die aber Polizeiangaben zufolge nicht zum Einsatz kommen sollten.

Zugleich waren 650 schwer bewaffnete Polizisten mit militärähnlicher Ausrüstung im Einsatz, die als sehr gefährlich und rücksichtslos gelten. Seit dem Beginn der Auseinandersetzungen am Montag sind nach Berichten brasilianischer Medien mindestens 34 Menschen erschossen worden.

Das Fernsehen übertrug Livebilder von brennenden Fahrzeugen und dunklen Rauchwolken über dem Stadtteil. Hunderte bewaffnete Mitglieder der Drogenbanden setzten sich – teilweise mit Waffen in der Hand – auf Motorrädern, Pickups und auch zu Fuß in die benachbarte Favela Complexo do Alemao ab. Sie zündeten zudem Autoreifen an, um die Sicht der Polizisten zu verschlechtern.In den Liveaufnahmen war auch zu sehen, wie einzelne von ihnen von Kugeln getroffen wurden und am Straßenrand liegenblieben. Auch in Alemao wurde ein Angriff der Polizei erwartet.

Kampf gegen Drogenbanden in Rio
Auf der einen Seite eine Vuvuzela, auf der anderen ein das Gewehr.Weitere Bilder anzeigen
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25.11.2010 23:12Auf der einen Seite eine Vuvuzela, auf der anderen ein das Gewehr.

Unter den Kämpfen leidet vor allem die Bevölkerung in den Slums. Die Menschen versteckten sich in ihren Häusern, die Schulen blieben geschlossen. Unter den Toten dieser Woche waren nach Angaben lokaler Medien mindestens drei Unbeteiligte. Eine 14-Jährige sei am heimischen Computer von einer Polizeikugel getroffen worden. Anders als zuvor machte die Polizei keine Angaben darüber, ob es sich bei den Toten um mutmaßliche Drogendealer handelte. In Rio leben rund zwei Millionen Menschen in den mehr als 1000 Favelas.

Die Banden sollen aus den Favelas vertrieben werden, bevor 2014 in Rio das Finale der Fußball–WM und 2016 die Olympischen Sommerspiele ausgetragen werden. Die schwer bewaffneten Drogenbanden hatten die Polizisten mit einem Kugelhagel empfangen. Zudem setzten sie immer wieder Busse und andere Fahrzeuge in Brand – seit Montag mehr als 40. Die Polizei wurde um 2000 Beamte verstärkt. Nach Geheimdiensterkenntnissen planten Drogenbanden wie „Comando Vermelho“ (Kommando Rot) oder „Amigos de los Amigos“ (Freunde der Freunde) auch Bombenanschläge auf Orte mit vielen Menschen. Allein dem „Comando Vermelho“ sollen bis zu 5000 bewaffnete Kriminelle angehören.

Nach Einschätzung von Gouverneur Sergio Cabral sind die Anschläge der Drogenbanden eine Reaktion darauf, dass bereits 14 Favelas von der Polizei gestürmt wurden. Auch seien inhaftierte Drogenbosse in weit entfernte Hochsicherheitsgefängnisse im Süden und Norden des Landes verlegt worden. (AFP/dpa)

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