Bratwurstmuseum : Thüringer huldigen Nationalspeise

Die Bratwurst kommt in Thüringen nicht nur auf den Rost, sondern jetzt auch ins Museum. In dem kleinen Ort Holzhausen nahe der Landeshauptstadt Erfurt öffnet am 28. Mai das "1. Deutsche Bratwurstmuseum".

Holzhausen - Im Museum soll künftig die mehr als 600 Jahre alte Tradition der Thüringer Wurstherstellung und die Grillkultur mit Biss präsentiert werden. «Die kulinarische Spezialität ist eine bekannte Marke in Deutschland», begründet Ideengeber Thomas Mäuer sein Engagement für den originalen Thüringer Leckerbissen, der inzwischen auch europaweiten Schutz genießt.

Vor etwa zwei Jahren hatte der 40-Jährige gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Holger Sichardt die Idee zu diesem Projekt. Anstoß war die älteste Bratwurstrechnung der Welt, die der Archivar Peter Unger aus dem benachbarten Arnstadt im Sommer 2000 entdeckte. Unger war auf eine Aufzeichnung des Probstes Johann von Siebeleben gestoßen, der im Jahr 1404 im Rechnungsbuch des Arnstädter Jungfrauenklosters die Ausgaben für «Därme für Bratwürste» notiert hatte.

Diese Urkunde gilt heute als ältester Nachweis der Thüringer Bratwurst. Eine Kopie des mittelalterlichen Quellenbelegs findet sich natürlich auch im Museum wieder. «Wir haben bereits mehr zusammengetragen, als wir ausstellen können», berichtet der gelernte Veterinäringenieur Mäuer. Auf rund 90 Quadratmeter Ausstellungsfläche sollen in dem kleinen, für etwa 200.000 Euro errichteten Neubau Besucher auf den Geschmack kommen.

Neben Dokumenten, Schlachterausrüstung und Gerätschaften wie Fleischwolf, Wurstspritze und Füllmaschine haben die Vereinsmitglieder «Freunde der Thüringer Bratwurst» auch allerlei Kurioses, Geschichten, Anekdoten und Bilder gesammelt. Dass die Thüringer Bratwurst auch in Fernost ihre Abnehmer findet, belegt beispielsweise eine Speisekarte aus Thailand.

In Thüringen gibt es nach Angaben des Herkunftsverbandes Thüringer und Eichsfelder Wurst und Fleisch zehn große sowie rund 1000 kleine Bratwurstproduzenten. Sie stellen jährlich etwa 26.500 Tonnen Thüringer Rostbratwurst her. Das entspricht einem Anteil von 18 Prozent am deutschen Gesamtmarkt, der mit 140.000 Tonnen beziffert wird.

Ein ernstes Ansinnen

«Wir haben uns der Brauchtumspflege rund um das Thema Bratwurst verschrieben», sagt Uwe Keith, Vorsitzender des neu gegründeten Vereins, der die Trägerschaft über das Museums übernimmt. Zwar verfolgen die Vereinsmitglieder dabei ein ernstes Ansinnen, doch wollen sie das Ganze unterhaltsam darbieten. Da neben der Bratwurst auch die Klöße zur Leibspeise der Thüringer gehören, liegt eine Partnerschaft mit dem Kloßmuseum in Heichelheim im Kreis Weimarer Land nahe. «Wir wollen künftig das eine oder andere gemeinsam gestalten», kündigt Keith an.

Für Besucher, die sich im Museum Appetit holen, will Mäuer den Grill anwerfen. Zudem schweben dem Gaststättenbetreiber - der bei einem Grillwettbewerb in Erfurt zur Eröffnung der Saison den Titel «Bratwurstkönig» errang - spezielle Bratwurstseminare vor. Tipps für die Zubereitung der Original Thüringer Bratwurst auf dem Holzkohlegrill gibt es gratis dazu, verspricht er.

Internet: Bratwurstmuseum

(Von Annett Markschat, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben