Braunbär : Bayern und Tirol geben Bruno zum Abschuss frei

Die Versuche, den seit Wochen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet herumstreunenden Braunbären Bruno lebend zu fangen, werden aufgegeben. Bayern und Tirol haben den Bären am Samstag zum Abschuss freigegeben.

Kufstein/München - Die Schonzeit für den seit Wochen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet herumstreunenden Braunbären Bruno ist vorbei. Künftig darf auf das Raubtier scharf geschossen werden. Bayerns Umweltstaatssekretär Otmar Bernhard (CSU) und sein Tiroler Kollege Anton Steixner gaben am Samstag im österreichischen Kufstein die Genehmigung zur Tötung. Rechtskräftig wird die Abschusserlaubnis in Tirol ab Montag und in Oberbayern ab Dienstag.

"Die Entscheidung ist nicht leicht und sie ist auch nicht populär. Dennoch mussten wir sie schweren Herzens treffen", sagte Steixner. Und Bernhard betonte: "Das Eindringen des Bären in Siedlungen und das Aufbrechen von Ställen hat ein Unfallrisiko heraufbeschworen, das nicht hinnehmbar ist." Die Versuche, Bruno lebend zu fangen, wurden eingestellt. Die Umweltschutzorganisation WWF stellte sich hinter diese Entscheidung.

Bernhard und Steixner appellierten an die Jägerschaft, regelmäßig nach dem Bären Ausschau zu halten und ihn bei geeigneten Bedingungen zu erschießen. Umweltministeriumssprecher Roland Eichhorn betonte in München, es gehe nicht darum, nun eine Treibjagd auf Bruno zu veranstalten. Derzeit sei aber ohnehin Jagdsaison. Wenn einem Jäger dabei der Bär vor die Flinte laufe, solle er abdrücken.

Eichhorn räumte ein, dass die Bereitschaft unter den Jägern bislang gering sei, den ersten Braunbären seit 170 Jahren in Bayern zu töten. Minister Schnappauf könne den Abschuss auch nicht anordnen. Er setzte jedoch auf die Mithilfe der Jäger. Steixner sagte zur erwarteten Kritik von Tierschützern: "Dieser Bär hat offenbar Gefallen am Töten gefunden. Extreme Tierschützer, die uns nun verurteilen, sollten sich überlegen, dass auch Schafe und Hasen leidensfähige Tiere sind."

Wenn der Bär innerhalb einer Ortschaft gesehen wird, soll notfalls auch die Polizei eingreifen. Es sei mit dem bayerischen Innenministerium abgeklärt, dass die Polizisten "bei unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben von Menschen das Tier sofort töten werden", sagte Eichhorn. Wenn keine schnelle Reaktion notwendig sei, sollten die Polizisten jedoch Unterstützung durch den zuständigen Berufsjäger anfordern und sich selbst in sicherer Entfernung oder im Streifenwagen aufhalten. Es würden in den gefährdeten Landkreisen derzeit "regionale Bärentrupps" aufgebaut, die sich des Tieres annehmen und es wenn möglich erlegen sollen.

Am wichtigsten sei es, dabei keine Menschen zu gefährden. Vor allem dürfe nur dann geschossen werden, wenn der Bär mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich getroffen wird. "Ein angeschossener Bär ist ein extrem gefährliches Tier", warnte Eichhorn. Lieber solle die Jagd abgebrochen als ein unsicherer Schuss gewagt werden.

WWF unterstützt Abschussentscheidung

Die Umweltschutzorganisation WWF unterstützt die Abschussentscheidung der Behörden. "Wir hätten zwar gerne noch weiter gesucht, aber wir sehen auch die Gefahr durch den Bären", sagte WWF-Bärenexperte Jörn Ehlers. Der WWF befinde sich dadurch "in einem echten Dilemma". Ehlers betonte, er wisse keinen Weg zur Rettung für Bruno. Die Sympathie für den Bären dürfe auch nicht übertrieben werden: "Er ist kein verwunschener Prinz, sondern ein gefährliches Raubtier."

Das finnische Jagdteam mit seinen auf Bären spezialisierten Spürhunden stellte nach Angaben des Umweltministeriums bereits am Freitag die Suche erfolglos ein und reiste ab. Bernhard und Steixner bedankten sich für das Engagement der Finnen. Die Truppe war 500 Kilometer zu Fuß in gebirgigem Gelände abseits der Wege unterwegs und hat dabei mehr als 10.000 Höhenmeter erklommen. Dass es ihnen nicht gelang, das Tier zu fangen, liege auch an der großen Mobilität von Bruno. Der Bär habe in den letzen Wochen mehr als 300 Kilometer zurückgelegt und eine Fläche von 6000 Quadratkilometern durchstreift.

(Von Ulrich Meyer, ddp)

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