• Brauner Terror: Rechtsextreme Polizistenmörder sollen auch die "Döner-Morde" begangen haben
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Brauner Terror : Rechtsextreme Polizistenmörder sollen auch die "Döner-Morde" begangen haben

Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Terrorverdachts gegen das Jenaer Neonazi-Trio. Derweil soll eine Polizeipanne Beate Z. 1998 erlaubt haben unterzutauchen

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Die baugleiche Tatwaffe der sogenannten "Döner-Morde" vor einem Plakat mit Porträts der Opfer.
Die baugleiche Tatwaffe der sogenannten "Döner-Morde" vor einem Plakat mit Porträts der Opfer.Foto: dpa

Erstmals seit der Wiedervereinigung ist die Bundesrepublik offenbar mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Das Jenaer Neonazi-Trio steht in Verdacht, nicht nur für den Mord an einer Polizistin in Heilbronn im April 2007 sowie 14 Banküberfälle verantwortlich zu sein, sondern auch für die neun so genannten Döner-Morde. Von September 2000 bis April 2006 waren in mehreren Städten sechs Türken, zwei Deutschtürken und ein Grieche durch Schüsse getötet worden. Die Bundesanwaltschaft zog am Freitag die Ermittlungen zu den mutmaßlichen Taten des Trios an sich und teilte mit, es lägen „zureichende Anhaltspunkte“ dafür vor, dass die zehn Morde „einer rechtsextremistischen Gruppierung zuzurechnen sind“. Damit sind Uwe M. (38) , Uwe B. (34) und Beate Z. (36) gemeint, die im Januar 1998 nach einer Polizeirazzia in Jena untertauchten und mehr als 13 Jahre unauffindbar waren.

Das entscheidende Indiz für den Tatverdacht gegen das Jenaer Trio im Fall der Döner-Morde fand die Polizei jetzt im Brandschutt des Hauses im sächsischen Zwickau, in dem die Neonazis gelebt hatten und das Beate Z. am vergangenen Freitag angezündet haben soll. Die Beamten entdeckten bei den elf sichergestellten Waffen die Pistole, die bei allen Morden an den Türken, den Deutschtürken und dem Griechen eingesetzt worden war. Die Polizei hatte jahrelang mit großem Aufwand versucht, die Serie der Döner-Morde aufzuklären. Für die Ergreifung der Täter wurde eine Belohnung in Höhe von 300 000 Euro ausgesetzt.

Auf der Homepage des Bundeskriminalamts (BKA) ist von einer Pistole „Marke Ceska, Typ 83, Kal. 7,65 mm Browning“ die Rede. Bei allen neun Morden sei die Waffe mit einem aufgesetzten Schalldämpfer benutzt worden, heißt es. Die Serie der Döner-Morde begann am 9. September 2000. Der türkische Blumenhändler Enver Simsek wurde an seinem Blumenstand in Nürnberg mit acht Schüssen aus zwei Pistolen angeschossen. Eine der Waffen war die Ceska. Das Opfer starb zwei Tage später im Krankenhaus. Es folgten der Mord an dem Schneider Abdurrahim Özüdogru (13. Juni 2001, Nürnberg), an den Gemüsehändlern Süleyman Tasköprü (27. Juni 2001, Hamburg) und Habil Kilic (29. August 2001, München), am Dönerverkäufer Yunus Turgut (25. Februar 2004, Rostock), am Dönerbudenbesitzer Ismail Yasar (9. Juni 2005, Nürnberg), am Griechen Theodoros Boulgarides, Mitinhaber eines Schlüsseldienstes in München (15. Juni 2005), am deutschtürkischen Kioskbesitzer Mehmet Kubasik (4. April 2006, Dortmund) sowie an Halit Yozgat, ebenfalls Deutschtürke und Betreiber eines Internetcafés in Kassel (6. April 2006). Der zehnte Mord, der dem Trio zugeschrieben wird, war der an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn am 25. April 2007. Auch dazu soll die Tatwaffe in Zwickau gefunden worden sein.

Von dem Jenaer Neonazi-Trio lebt, wie berichtet, nur noch Beate Z. Ihre Komplizen Uwe M. und Uwe B. fand die Polizei vergangenen Freitag erschossen in einem brennenden Wohnmobil in Eisenach. Beate Z. stellte sich am Dienstag in Jena der Polizei, verweigert aber die Aussage.

Nach Informationen des Tagesspiegels hatte die Polizei 1998 die Chance, zumindest Beate Z. daran zu hindern, dass sie abtaucht. Vor der Razzia in einer Garage in Jena, die das Trio nutzte, übergaben die Beamten der Frau einen Durchsuchungsbefehl, nahmen sie aber nicht in Gewahrsam. Obwohl die Polizei in der Garage vier Rohrbomben fand, wurde Beate Z. auch dann nicht festgenommen.

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