Bremerhaven : "Die ganze Stadt stinkt"

Seit über 24 Stunden brennt in der Lloyd-Werft der Kühlfrachter "Cala Palma". Die dicken grauen Rauchschwaden verhüllen nicht nur das riesige Hafengelände. Ein Bericht aus Bremerhaven.

Bremerhaven - Kilometerweit ist die hohe Rauchsäule über Bremerhaven zu sehen. Auf dem Gelände der Lloyd-Werft brennt seit Dienstagnachmittag der italienische Kühlfrachter. 42 Feuerwehrleute kämpfen weiter gegen die Flammen, die im Laderaum des Schiffes lodern. Die Hitze ist so groß, dass einigen Rettern schon die Visiere an den Helmen wegzuschmelzen begannen. "Selbst auf Deck sind die Metallböden so heiß, dass sich die Sohlen von den Schuhen lösen", berichtet Feuerwehrsprecher Dirk Klaeßen. Mehrere Tage sollen die Löscharbeiten unter Umständen dauern.

Unglücklicherweise verhüllen die dicken grauen Rauchschwaden nicht nur das riesige Hafengelände. Der Wind treibt die Dämpfe direkt in die Innenstadt - und nicht etwa zum Meer hinaus. "Die ganze Stadt stinkt, bloß weg hier", sagt ein Lastwagenfahrer, der Metallteile an die Lloyd-Werft geliefert hat. Schnell schießt er noch mit seiner Digitalkamera ein Foto von dem spektakulären Brand und fährt dann mit seinem Lkw davon.

Dicke Luft bis in die Innenstadt

Tatsächlich herrscht bis weit in die Innenstadt hinein richtig dicke Luft. Die Bewohner sind auch am Mittwoch weiterhin angewiesen, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Wirklich entkommen kann man dem Rauch jedoch nicht. Zwei Supermärkte in der Nähe des Hafengeländes mussten am Dienstag sogar schließen, weil der Qualm zur Gefahr für Leib und Leben wurde. Zwei Bäckereiverkäuferinnen und eine Kassiererin kamen mit Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus. Auch zwei Werftmitarbeiter und ein Feuerwehrmann wurden verletzt.

Am Mittwoch haben die beiden Läden zwar wieder geöffnet, die Luft ringsum ist aber immer noch verpestet. Einwohner klagen über Kopfschmerzen und Übelkeit. "Es ist wirklich schlimm", sagt Doris Fiedler, die ihre Arbeitsstelle in Sichtweite zur Rauchsäule hat. "Das kann doch auf Dauer nicht gesund sein." Die Feuerwehr bekräftigt aber weiter, dass es für die Bevölkerung keine Gesundheitsgefährdung gebe. Das sei durch Messfahrzeuge mehrmals festgestellt worden.

Mühsame Löscharbeiten

An das Schiff selbst kommt außer den Rettungskräften und den Werftmitarbeitern keiner heran. Die Lloyd-Werft ist komplett abgeriegelt, an allen Zufahrtswegen weisen Pförtner Schaulustige barsch zurück. Überhaupt gibt man sich bei dem Unternehmen ziemlich bedeckt. Die Geschäftsführung ist zu keinerlei spontaner Stellungnahme bereit, sondern will sich erst am späten Nachmittag im Rahmen einer Pressekonferenz erstmals öffentlich zu dem Vorfall äußern.

Im Laufe des Tages wechselt die Rauchsäule die Farbe. Sie ist jetzt weiß, und sie scheint auch ein wenig kleiner geworden zu sein. Es ist aber weiter offen, wann es den Feuerwehrleuten gelingt, den Brand unter Kontrolle zu bringen. "Wir kommen ein wenig voran. Momentan versuchen wir, in den Laderaum hineinzukommen und das Feuer endlich mal gezielt zu bekämpfen", sagt der Feuerwehrsprecher. Bislang waren die Retter vor allem darum bemüht, ein Übergreifen der Flammen auf den Maschinenraum zu verhindern. Denn dort befinden sich die Treibstofftanks der "Cala Palma". (Von Haiko Prengel und Tina Below, ddp)

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