Welt : Brennt es bald rund um den Erdball?

Jetzt stehen Wälder in Brasilien in Flammen / Auch hier ist die Ursache Brandrodung / El Niño verstärkt den Effekt RIO DE JANEIRO (Tsp/dpa).Unkontrollierte Wald- und Buschbrände nehmen immer beängstigendere Ausmaße an.Entgegen den Beschwichtigungen autoritärer Machthaber ist die Lage in Südostasien keineswegs entspannt.Für Unruhe sorgten auch Meldungen aus Australien, wo ein riesiges Gebiet brennt.Und jetzt Brasilien.Neue Brände in der riesigen Urwaldregion des Landes haben in vielen Städten zu chaotischen Zuständen geführt.Die Sichtweite in der "Urwaldhauptstadt" Manaus im Bundesstaat Amazonas betrug wegen der Rauchwolken zum Teil weniger als 50 Meter.Der internationale Flughafen "Eduardo Gomes" habe deshalb in den vergangenen Tagen mehrfach geschlossen werden müssen.Die Zahl der Atemwegserkrankungen habe in Manaus um 30 Prozent zugenommen.Die Durchschnittstemperatur kletterte in der 2,5-Millionen-Einwohner-Stadt Manaus um vier auf 36 Grad Celsius, die relative Luftfeuchtigkeit fiel von 65 auf 40 Prozent. Brennt es bald rund um den Erdball? Betroffen sind in erster Linie tropische Gebiete sowie benachbarte Regionen.Ursache sind in Brasilien ebenso wie in Südostasien Brandrodungen, mit denen riesige Agrarkonzerne und Holzfirmen den Urwald zerstören."Hinter den Bränden stecken aber auch unzählige Immobilienspekulanten", sagt der Chef des regionalen Büros des brasilianischen Umweltamtes Ibama, Hamilton Casara.Die derzeitige Situation ist nach Ansicht von Experten eindeutig hausgemacht.Daß die Brände in diesem Jahr besonders katastrophale Ausmaße annehmen, wird allerdings auch mit El Niño in Verbindung gebracht. Was ist El Niño? Dabei handelt es sich um eine Wetteranomalie, die im Abstand von mehreren Jahren auftritt.Eine warme Pazifikströmung ändert dabei ihre Richtung, sodaß in tropischen Regionen das Wetter kippt.In einigen Gebieten bricht eine Trockenheit aus, in anderen setzen sintflutartige Regenfälle das Land unter Wasser.Die extreme Trockenheit hat dazu geführt, daß sich das Feuer bei den Brandrodungen unkontrolliert ausdehnte und sich zu einer Katastrophe ausweitete.El Niño bringt das Wetter in vielen Gebieten der Erde durcheinander.Europa bleibt weitgehend verschont.Meteorologen sagen, es könne dadurch ein Grad wärmer werden, was aber keine bedeutenden Auswirkungen hätte.El Niño ist zeitlich begrenzt.Im Dezember hat er seinen Höhepunkt, anschließend nimmt das Klima wieder gewohnte Formen an. "Nur ein starker Regen kann Abhilfe schaffen, aber der ist weit und breit nicht in Sicht", erklärte der Chef des Meteorologischen Instituts von Manaus, Verisimo Farias. Trotz internationaler Hilfe und Feuerbekämpfung zehntausender Soldaten wüten die schweren Waldbrände in Indonesien weiter."Ich glaube, der Rauch ist heute noch dicker als am Montag", sagte ein Regierungsbeamter in Palembang in Süd-Sumatra.Das Angebot, ausländische Spezialflugzeuge zur Feuerbekämpfung einzusetzen, hat Indonesien aber mit dem Hinweis auf zu hohe Einsatzkosten abgelehnt.

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