Welt : Brigitte Mira ist tot

Sie war eine der letzten großen deutschen Volksschauspielerinnen. Noch bis ins hohe Alter stand sie vor der Kamera und auf der Bühne. Die geborene Hamburgerin verkörperte in unzähligen Rollen die Ur-Berlinerin mit "Herz und Schnauze". Am Dienstag ist Brigitte Mira im Alter von 94 Jahren gestorben.

Berlin (08.03.2005, 22:15 Uhr) - Brigitte Mira war im Februar wegen ihres allgemeinen Schwächezustandes erneut in ein Berliner Krankenhaus gebracht worden. Am 20. April wäre sie 95 Jahre alt geworden. Mira galt als eine der letzten populären Volksschauspielerinnen, die nach einer großen Soubretten- und Theaterkarriere vor allem als Film- und Fernsehschauspielerin bekannt wurde.

Ihren Durchbruch als Charakterdarstellerin feierte sie 1973 in dem Film «Angst essen Seele auf» von Rainer Werner Fassbinder, in dem sie eine Putzfrau spielte, die sich in einen jüngeren farbigen Gastarbeiter verliebt. Dafür erhielt sie den Bundesfilmpreis. Mit Fassbinder drehte sie 1980 auch «Berlin Alexanderplatz» und «Lili Marleen».

Als eine der drei «Damen vom Grill» wurde die geborene Hamburgerin den meisten Fernsehzuschauern als Typ der Ur-Berlinerin in Deutschland bekannt. Im Frühjahr 2000 war sie mit ihren Partnern Harald Juhnke und Günter Pfitzmann in der Fernsehkomödie «Ein lasterhaftes Pärchen» zu sehen.

Außerdem war sie bis in die letzten Jahre mit ihren Kolleginnen und Freundinnen Helen Vita und Evelyn Künneke als «Drei alte Schachteln» mit einem Chansonprogramm auf Tournee. Sie überlebte ihre beiden Freundinnen - Vita starb im Februar 2001, Künneke Ende April 2001 im Alter von 79 Jahren.

Zuletzt spielte Mira wieder Theater und stand ab September 2000 im Berliner Volkstheater Hansa als «Die Bettelkönigin von Moabit» auf der Bühne, wenn auch manchmal von Schwächeanfällen begleitet. Im Oktober 2004 musste sie die Proben zu den alljährlichen «Jedermann»-Festspielen im Berliner Dom abbrechen.

Als Soubrette sang sie nach dem Zweiten Weltkrieg in Ost- und West-Berliner Theatern, spielte in Komödien und war auf der Leinwand zu sehen, später auch als quirlige «komische Alte» oder als Kabarettistin bei den «Insulanern». Die Berliner hatten sie bald in ihr Herz geschlossen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) trauerte um die große Künstlerin. «Sie war mehr als nur eine Schauspielerin, sie war eine unverwechselbare Stimme unserer Stadt, die nun für immer verstummt ist. Die Berlinerinnen und Berliner werden ihre Biggi nicht vergessen.» (tso) ()

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