Brindisi : Flugzeugentführer gibt auf

Die Entführung eines Passagierflugzeuges über Griechenland ist im italienischen Brindisi unblutig beendet worden. Der türkische Geiselnehmer war aus der Armee desertiert - und wollte Papst Benedikt XVI. um Hilfe ersuchen.

Rom - Die Entführung einer türkischen Passagiermaschine mit mehr als hundert Menschen an Bord ist am Dienstagabend am italienischen Flughafen Brindisi unblutig zu Ende gegangen. Die beiden aus der Türkei stammenden Entführer stellten sich nach Angaben der italienischen Zivilluftfahrtbehörde der Polizei. Sie hatten eine Maschine der Turkish Airlines auf dem Weg von Tirana nach Istanbul in ihre Gewalt gebracht. Ankara widersprach Berichten, wonach sie aus Protest gegen den geplanten Türkei-Besuch von Papst Benedikt XVI. gehandelt hätten. Einer der Luftpiraten sei vielmehr vom Islam zum Christentum übergetreten und habe den Papst um Hilfe gebeten.

Die türkische Regierung gab an, dass einer der Entführer im Mai aus seiner Garnison in der Türkei nach Albanien desertiert sei und dort vergeblich um Asyl ersucht habe. Die türkische Botschaft habe die örtlichen Behörden in Istanbul informiert, dass er an Bord des später entführten Flugzeugs aus Albanien in die Türkei abgeschoben werden sollte. Dort sollte er der Militärpolizei übergeben werden. Nach türkischen Medienberichten verweigerte er den Militärdienst aus Gewissensgründen und habe dem Papst einen Brief geschrieben, in dem er angab, im Christentum "das wahre Leben" gefunden zu haben.

Die Boeing 737-400 mit 107 Passagieren und sechs Crewmitgliedern war in der albanischen Hauptstadt Tirana gestartet. Die Täter brachten die Maschine über dem Norden Griechenlands in ihre Gewalt. Vier griechische Jagdflugzeuge geleiteten sie bis zur albanischen Grenze, wo sie von zwei italienischen Jagdflugzeugen in Empfang genommen wurde. Anschließend landete sie auf dem Flughafen von Brindisi im Südosten Italiens. Zwei Stunden später verließen die Täter das Flugzeug und stellten sich der Polizei. Bei ihrer Festnahme hätten sie politisches Asyl in Italien beantragt, sagte der türkische Verkehrsminister Binali Yildirim dem türkischen Fernsehsender NTV.

Täter vermutlich unbewaffnet

Menschen kamen während der Entführung offenbar nicht zu Schaden. Die Täter seien vermutlich unbewaffnet gewesen und hätten sich nicht aggressiv verhalten, sagte ein Sprecher der italienischen Zivilluftfahrtbehörde. Turkish-Airlines-Chef Candan Karlitekin sagte NTV, die Luftpiraten hätten bereits zu Beginn der Entführung den Piloten gesagt, dass sie nach der Landung aufgeben würden. "Die Passagiere waren von Panik erfasst", es sei aber niemand verletzt worden, sagte ein albanischer Passagier, Sadri Abazi. Die Täter hätten keine Waffen sichtbar getragen.

Laut italienischer Polizei verlangten die Luftpiraten im Gegenzug für die Freilassung der Geiseln, eine Botschaft an den Papst übermitteln zu dürfen. Einer der beiden Entführer, Hakan Ekinci, hatte dem Papst in einem früheren Brief seine Lage bereits geschildert und ihn um Hilfe gebeten. Erste Berichte, wonach die Entführer gegen den geplanten Besuch von Papst Bendedikt XVI. im November in der Türkei protestieren wollten, wies der Minister Yildirim zurück.

Vatikan: "Wir sind alarmiert"

Der Vatikan verfolgte die Entführung, hielt sich zunächst aber mit einer Bewertung zurück. "Wir sind alarmiert", sagte der Pressesprecher des Kirchenstaates, Federico Lombardi, laut Nachrichtenagentur ANSA. Papst Benedikt XVI. hatte während seines Deutschlands-Besuch mit einem islam-kritischen Zitat in einer Rede für Proteste in der moslemischen Welt gesorgt. Die Äußerungen des katholischen Kirchenoberhauptes waren in der Türkei auf breite Kritik gestoßen, doch hatte die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan klargestellt, dass sie an der geplanten Papst-Reise festhalten wollen.

Die Flughäfen von Brindisi und Tirana blieben während der Entführung geschlossen. Für Brindisi bestimmte Flugzeuge wurden zum nächsten Airport in Bari umgeleitet. Die Regierungen Italiens und Albaniens richteten Krisenstäbe ein. (tso/AFP)

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