Welt : Britische Forscher sagen: Nein

David Ensikat

Worüber wir lachen, hängt nicht von den Genen ab, sondern von der UmweltDavid Ensikat

Drei Kühe stehen auf den Hinterbeinen und unterhalten sich, neben der Weide ist eine Straße. Eine Kuh ruft: "Auto!". Als das Auto vorüberfährt, stehen die Kühe auf allen vieren - für die Autoinsassen der gewohnte Anblick. Als das Auto wieder weg ist, stehen die Viecher wieder aufrecht und unterhalten sich weiter. Für solche kurzen und absurden Comics ist Gary Larson bekannt.

Nicht alle können darüber lachen. Warum? Ist der Sinn für Humor angeboren? Sind es die Gene, die Erbinformationen, die den einen über Larson-Comics schnell lachen und den anderen lange grübeln lassen?

Tatsächlich gibt es vielen Studien zu Folge bei den meisten Persönlichkeitseigenschaften eine genetisch festgelegte Komponente. Nun haben britische Forscher die Sache mit dem Humor untersucht. Und siehe da: Hier sind es nicht die Gene. Die Briten haben nachgewiesen, dass die Erziehung und die Umgebung, in der man aufwächst eine Rolle spielen, nicht aber das Erbgut.

Wie bekommt man so etwas heraus? Die Forscher nahmen Zwillinge dazu. 127 Paare im Alter zwischen 20 und 75 Jahren, 71 Paare waren "eineiig" und 56 "zweieiig". Bei eineiigen Zwillingen sind die Erbinformationen zu 100 Prozent identisch, bei den zweieiigen durchschnittlich zu 50 Prozent. Wenn die Gene den Humor bestimmen würden, so die Forscher, dann müssten die eineiigen Zwillinge in ihrer Bewertung von Larson-Comics näher beieinander liegen als zweieiige. Dem war aber nicht so. Vorgehensweise und Ergebnisse der Studie wurden in der März-Ausgabe der englischen Fachzeitschrift zur Zwillings-Forschung "Twin Research" veröffentlicht.

Die Probanden bekamen jeweils fünf Gary-Larson-Karikaturen und mussten sie in einer Skala von Null bis Zehn einordnen. Null stand für: "Papierverschwendung", Zehn für: "Eine der witzigsten Karikaturen, die ich je gesehen habe." Zunächst einmal erbrachte die Auswertung, dass die Paare jeweils recht ähnlich bewertet haben. Bei gemeinsam aufgewachsenen Zwillingen war das nicht besonders überraschend. Nun bewerteten aber die eineiigen Paare die Bilder durchaus nicht ähnlicher als die zweieiigen. In einigen Fällen war es eher anders herum - das mag aber Zufall gewesen sein.

Die Wissenschafler zogen das Resümee: "Es scheint keinen generellen Humor-Faktor zu geben, der die Reaktion auf die fünf Karikaturen beeinflusst hätte, und ein Einfluss des Alters war ebenso nicht festzustellen." Letzteres heißt nicht, dass Junge und Alte die Witze gleich komisch fanden. Vielmehr lagen ältere Paare in ihren Bewertungen nicht weiter auseinander oder enger beisammen als jüngere.

Dass der Mensch überhaupt lacht, lässt sich dagegen durchaus mit dem genetischen Erbe erklären. Der Verhaltensforscher Wulf Schiefenhövel von der Universität München erklärt das so: "Das Lachen ist eine Weiterentwicklung des sogenannten Spielbeißens bei Tieren." Dieses wiederum ist eine - niemals verletzende - spielerische Auseinandersetzung zwischen Artgenossen. Bei Menschenaffen geht diese auch mit kurz ausgestoßenen Lauten einher - eine Vorform des Lachens.

Joachim Beusel von der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen kann auch eine soziologische Erklärung beisteuern. Eine, durch die es auch verständlich wird, dass das Umfeld eine größere Rolle spielt als die Gene, wenn es darum geht, was man komisch findet: "Menschen lachen, um sich der Zusammengehörigkeit in einer Gruppe zu vergewissern. Damit distanziern sie sich außerdem von anderen Gruppen, die ihre Werte nicht teilen." Diejenigen, die gemeinsam über andere lachen, gehören zusammen. Daher käme es, dass verschiedene soziale Gruppen - ob Familien oder Staaten - einen recht spezifischen Sinn für Humor entwickeln könnten. Und der, das wissen wir jetzt ganz genau, wird nicht angeboren, sondern anerzogen.Wer den eigenen Humor überprüfen will, findet eine Karikatur und weitere Links zu Gary-Larson-Seiten im Internet:

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